Jahrgang 
1 (1857)
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IV

und Mauke. 1856. Das iſt in der That ein ſeltſames, aber höochſt intereſ⸗ ſantes Buch. Der Herausgeber fand dieſe Briefe zwiſchen Familienpapieren und ließ ſie unverändert abdrucken. Er hat dadurch nicht nur den Freunden der alten Reichsſtadt, ſondern, wie wir hoffen, allen denen einen großen Dienſt erwieſen, die ſich für Stadt⸗ und Fami⸗ lienleben einer längſt vergangenen Zeit intereſſiren. Wir möchten mit ihm glau⸗ ben, daß kaum ein zweites, ſo abge⸗ ſchloſſenes, ſo anſchauliches Stück eines ſolchen ehrenfeſten, liebevollen und from men Lebens aus jener Zeit uns erhalten ſein möchte. Was wir hier finden, gibt uns einen Aufſchluß über das innere und haͤusliche Leben der Familie, über den Verkehr mit den Verwandten, über den Gang der ſtädtiſchen und Handels⸗ geſchäfte, den wir ſonſt nur mühſam aus vielerlei Quellen und vereinzelten Stücken uns gewinnen können. Hier ſind wir mitten drin, erfreuen uns der Zärtlichkeit und Theilnahme, der Er fahrung und Tüchtigkeit des Vaters, deſſen ehrenfeſte Züge uns aus ſeinem beigegebenen Portrait anziehend entge⸗ gentreten; erfahren mit Rührung von der Sorge der Mutter, die dem fernen Sohn bald Lebensmittel, bald Mixturen nach Liſſabon hinüberſendet; nehmen theil an Kindtaufen und Sterbefällen, an Kriegsunruhe und Brand, und ſehen lächelnd dazwiſchen die Herzensangele genheit des Sohnes in hoͤchſt diskre⸗ ten, man möchte ſagen ſchüchter nen Zügen erſcheinen. Kurz das Buch

bietet auf jeder Seite den reichſten Stoff

zur Theilnahme nicht nur, ſondern auch

zur Unterhaltung und mag dem Publi

kum auf's wärmſte empfohlen ſein. Agneſe Schebeſt, Aus dem

Leben einer Künſtlerin. Stuttgart.

Ebner u. Seubert. 1856. Die Künſtlerin, welche in den dreißiger Jah⸗ ren als große Sängerin glänzte und überall noch in gutem Andenken ſteht, wurde in beſchränkten Verhältniſſen ge⸗ boren und nach dem früh erfolgten Tode des Vaters von Mutter und Großmutter in Thereſienſtadt erzogen. Die ſehr ſchöne Stimme des Kindes erregte als bald die Aufmerkſamkeit hochgeſtellter Perſonen und ließ die Ausbildung der ſelben wünſchen. Der wackere Lehrer bewog daher ſeine Frau, an ihren Bru der,den Singmeiſter und Kammer ſänger Johannes Mickſch, nach Dres den zu ſchreiben, und als dieſer die Klbii⸗ zu ſehn wünſchte, ward ſie von

er Mutter hinübergebracht, geprüft und angenommen. Im nächſten Frühling ſiedelte ſie dann ganz hinüber und bil dete ſich unter der treuen Leitung des Papa Mickſch aus, dem ſie ſtets ein dankbares Herz bewahrt hat. Im Jahre 1832 zog ſie von Dresden in die Welt hinaus. Das Buch bietet uns, neben dem Bericht über das ſpätere Leben der Künſtlerin, beſonders in dieſen erſten Partien eine Idylle der anmuthigſten und lieblichſten Art, geſchrieben mit Offenheit und Unbefangenheit, mit voll ſter Hingebung an die Erinnerungen aus der einfachen und doch ſo reichen Jugendzeit, mit einem Herzen voll Treue

zir erinnern uns nicht

und Wärme. leicht etwas Anziehenderes geleſen zu haben. Es liegt in der Natur der Sache, daß der Bericht über die ſpä teren Künſtlerfahrten dieſes Reizes ent behrt. Aber auch dort finden wir über all genug des Intereſſanten. Zumal bieten die Excurſe über einzelne hervor ragende Rollen der Sängerin ungemein Beachtenswerthes und zeigen ein Ein⸗ gehn und ein Verſtändniß, welches die