Jahrgang 
1 (1857)
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Julie Burow, Erinnerungen einer Großmutter. 2 Bde. Prag und Leipzig. Expedition des Alb⸗ ums. 1856. Eine höͤchſt einfache, aber ſehr brave Erzählung der beliebten Ver⸗ faſſerin. Der Schauplatz iſt, wie Julie Burow es liebt, in den Norden Deutſch⸗ lands, und diesmal an die ruſſiſche Grenze verlegt; die Familie eines Land⸗ wirths bietet uns die Hauptperſonen, und die jüngſte Tochter deſſelben, ein äußerlich durch Krankheit entſtelltes, innerlich aber reich begabtes Mädchen iſt, wenn wir ſie ſo nennen dürfen, die Heldin. Der franzöſiſche Krieg, welcher dieſe Gegenden auf's härteſte heimſuchte, iſt zum Hintergrunde benützt. Aus der ganzen ſpannenden und anziehenden Er⸗ zählung heben wir hier beſonders die erſten Kapitel hervor, welche die frühſte Entwickelung des jungen von den Ih⸗ ren zurückgeſetzten Mädchens ſchildern und ganz vortrefflich ſind. Wir erin⸗ nern uns nicht, von der Verfaſſerin je etwas geleſen zu haben, was einen tie⸗ fern Eindruck der Wahrheit machte und ihr Talent für ähnliche Schilderungen glänzender d dokumentirte.

He Lin iich Koenig, Hedwig, die Waldenſerin. 2 Thle. Brockhaus daa Im 5. und 6. Band ſeiner ge⸗ ſammelten Schriften gibt der Verfaſſer eine neue Bearbeitung ſeinerWalden⸗ ſer, gewiſſermaß en alſo ein neues? Buch. Es bedarf wohl nur dieſer Anführung um das Intereſſe des Publikums zu er wecken. Heinrich Kosnig iſt ſo berühmt und ſo beliebt, daß man berechtigt iſt, von jedem ſeiner Bücher nur Treffliches zu erwarten. Auch das v orliegende Buch gewährt uns dies im hohen Maße und gibt uns ein reiches Bild jener wild bewegten Zeit, der Menſchen und des Lebens. Es kann hier nicht der Ort

III

ſein, dieſe neue Ausgabe des Romans mit der frühern zu vergleichen. Wir müſſen uns begnügen, die Gediegenheit des Buches hervorzuheben und daſſelbe dem Publikum als eine höchſt werthvolle Gabe des Verfaſſers zu empfehlen.

H. Lorm, Am Kamin. 2 Bände. Berlin. Allgem. Deut. Verlags⸗ Anſtalt. 1857. Die in den zwei Bänd⸗ chen enthaltenen zehn Erzählungen haben die Erwartung, mit der wir an ihre Lekture gingen, nicht erfüllt. Es iſt vielleicht keine darunter, die nicht treff⸗ liche Einzelheiten, gute Partien aufzu⸗ weiſen hätte und ein beachtenswerthes Talent des Verfaſſers für Schilderung und Darſtellung verriethe. Allein völlig befriedigt fühlten wir uns von keiner, und in keiner können wir uns mit der Charakterzeichnung und der pſychologi⸗ ſchen Entwickelung der Perſonen ein⸗ verſtanden erklären. Es kommt dazu, daß faſt alle Erzählungen an mehr als einer Unwahrſcheinlichkeit, an mehr als einer forcirten Wendung leiden. Mit einem Wort wir müſſen dieſe Ge⸗ ſchichten unfertige nennen; keinem dieſer Stoffe iſt ſein volles Recht ge⸗ worden. Und das iſt ſchade, denn das Talent des Verfaſſers verräth ſich, wie bemerkt, überall, ſo daß wir ihm das Beſte zutrauen möchten. Wir wollen hier nur die wahrhaſt treffliche Schil⸗ derung am Anfange der erſten Geſchichte: Außerhalb der Welt, anführen und zugleich auf die letzte:Jakob und Rahel hindeuten. Dieſe letztere zumal zeigt, was der Verfaſſer erreichen könnte, wenn er ſich ſeinen Stoffen mehr hin⸗ geben würde.

Briefe des Hamburgiſchen Bürgermeiſters Johann Schulte an ſeinen Sohn. Geſchrieben 1680 1685. Perthes⸗Beſſer