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Wir halten das Buch für eines der trefflichſten, die in neuerer Zeit geſchrie⸗ ben wurden, und empfehlen es unſerem Publikum und den Freunden einer wahr⸗ haft guten Lecture auf das dringendſte und aus vollem Herzen.
Berthold Auerbach, Barfü⸗ ßele.— Cotta. 1856. Der Ver⸗ faſſer tritt hier mit einer neuen Ge⸗ ſchichte auf, die ſeine Meiſterſchaft auf dieſem Felde nur beſtätigen kann. Er zeigt ſie hier wieder in derſelben Voll⸗ endung, wie in„Ivo, der Hajrle,“„der Lauterbacher,“ und wie die kleinen Ge⸗ ſchichten alle heißen, die ſeinen Ruf be⸗ gründeten. Das will viel ſagen, und zumal auf einem anſcheinend ſo engen Felde, welches für den gewoͤhnlichen Beobachter ſo bald erſchöpft zu ſein ſcheint. Aber wie das Leben ſich in jedem Menſchen umgeſtaltet, ſo weiß auch ein ſorgfältiges und liebevolles Studium ſtets die neuen Seiten und Züge, die neue Entwickelung, wenn wir ſo ſagen ſollen, zu erfaſſen und feſt— zuhalten. Und Auerbach hat neben ſei⸗ ner ſtets angemeſſenen Darſtellung ein eminentes Talent für die Beobachtung und das Belauſchen der Natur und des Menſchen bis in die einzelnen und ge⸗ heimſten Züge. Seine meiſten Geſchich⸗ ten machen uns den Eindruck eines ge⸗ lungenen Portraits;„das lebt!“ ſagen wir.— Und ſo finden wir es auch hier wieder bei der Geſchichte des armen Kindes, das ſich tüchtig und kraftvoll zum Glück durchringt.— Leſer brau⸗ chen wir dem Buch nicht zu wünſchen; es hat ſie ſicher genug. Aber mit Freu⸗ den bekennen wir: wenn je eines von Auerbachs Büchern, ſo verdient Bar⸗ füßele geleſen zu werden.
Eduard Möoͤrike, Idylle vom Bodenſee. 2. Aufl.— Vier Erzäh⸗
lungen.— Stuttgart. Schweizer⸗ bart. 1856.— Wie wir bereits vor Jahr und Tag die zweite Auflage des Hutzel⸗ männleins von dem Verfaſſer anzeigten und der Aufmerkſamkeit des Publikums beſonders in Norddeutſchland empfah⸗ len, ſo thun wir auch bei vorſtehenden Büchern auf das dringendſte und freu⸗ digſte. Mörike iſt ein Dichter im beſten Sinne des Worts, voll reicher Phan⸗ taſie, mit tiefem Gemüth und warmem Herzen und verdient vor vielen Andern gekannt und geliebt zu werden. Pro⸗ ductiv iſt er nicht, aber er hat ſich dar⸗ um auch jedem ſeiner Werke mit deſto vollerem Herzen hingeben können. Idylle vom Bodenſee iſt eine Perle deutſcher Dichtung und entſchieden dem Lieblichſten beizuzählen, das wir in die⸗ ſem Genre irgend beſitzen. Wir moͤch⸗ ten ſagen, das reizende kleine Stuͤck zeigt ſich allen Anforderungen gewach⸗ fen und nach jeder Seite vollendet und zieht uns bei jeder neuen Lecture auf's neue und freundlicher an.— Die vier Erzählungen des andern Bändchens bieten in ihrer Art gleichfalls Treffli⸗ ches, ja,„der Schatz“ reiht ſich dem Be⸗ ſten auf dieſem Felde an, und auch„Lu⸗ cie Gelmeroth“ iſt eine Erzählung von ergreifender Wirkung. Die beiden fol⸗ genden Märchen:„Der Bauer und ſein Sohn,“ und:„Die Hand der Iezerte,“ ſind gleichfalls phantaſievoll und an⸗ muthig. Da nun auch die Ausſtattung beider Bändchen eine ſehr ſaubere und geſchmackvolle iſt, ſo ſind das zwei Bü⸗ cher, welche ſich auf's beſte und in je⸗ der Weiſe zu einem Geſchenk, für einen Damentiſch eignen, und es ſollte uns wundern, wenn ſie dem Dichter auch im Norden unſeres Vaterlandes nicht die volle Liebe des Publikums zuwendeten, die er im Süden längſt ſich errungen hat.
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