Jahrgang 
1 (1857)
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486 Ueber italieniſche Theater. Von F. W. Hackländer.

Stehendes Theater mit penſtonsfähigen Schauſpielern und Schau⸗ ſpielerinnen, mit ausgeſungenen uralten Sängerinnen und dem ganzen Veteranenchor, der Generationen hindurch friſche lebendige Bauernburſche und junge Landmädchen ſpielt, gibt es in ganz Italien nicht. Dort miethet ein Impreſſario das Theater für die und die Saiſon und ſtellt nun nach ſeinen Bedürfniſſen und nach dem Geſchmack des Publikums, wo er ſich gerade befindet, eine Truppe zuſammen; er muß wenigſtens eine ⸗neue Oper, ein neues großes Ballet, ſowie zwei bis drei Opern und Ballete aus der vorigen Station neu montirt haben, d. h. mit neuen Dekorationen und Koſtümen verſehen; er muß Geld aufwenden, um ſein Perſonal ſo gut wie möglich zu machen, denn gefallen Opern und Sängerinnen nicht, ſo hat er begreiflicherweiſe ein leeres Haus zu erwarten, woher es denn kommt, daß alles Mögliche geſchieht, um das Publikum zu befriedigen Wenigſtens die erſten Sänger in den großen Theatern müſſen bekannte Namen haben; die Supplemente, das ſind die zweiten, welche hie und da eintreten, dürfen auch nicht ſchlecht ſein: den Choriſten und Choriſtinnen, Handwerkern und Gewerbetreibenden der Stadt mit oft prachtvollen Stimmen, welche den Abend Nadel und Pfriemen mit Leier und Schwert

lte gut angezogen ſind

vertauſchen, wird ſchon etwas nachgeſehen, wenn und von ihrem Falſchſingen einen mäßigen Gebrauch machen.

Was das Ballet betrifft, ſo wird ſchon etwas Schönes und Vorzüg⸗ liches durch alle Rubriken verlangt; eine ſchöne Prima Ballerina, die einen Namen hat, mit einem unverwüſtlichen Tänzer, eine bekannte gute Mimi⸗ kerin mit einem grauenerregenden Tyrannen, ein Pas de cinque aus jungen ſchönen Mädchen beſtehend, und ein zahlreiches Balletchor mit Ge⸗ wandtheit, Jugend, Schönheit und in jeder Hinſicht viel verſprechendem Aeußern ausgeſtattet.

Das alles, was er zu bieten vermag, zeigt der Impreſſario zu An⸗ fang der Saiſon dem Publikum auf großen, mit goldenen Lettern bedruck⸗ ten Anſchlagzetteln an. Es iſt das ein wichtiger Tag und man hört als⸗ dann beim Spazierengehen, in Soireen, im Kaffeehaus, faſt von nichts als

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von der Cröffnung des Theaters reden; man combinirt, was die ver⸗

ſprochenen Kräfte wohl zu leiſten im Stande ſeien, und wie auf der Börſe die Staatspapiere durch ein wichtiges Ereigniß ſteigen, ſo ſind auch bei dieſer Theaterangelegenheit ein paar gute Namen im Stande, die Logen⸗ preiſe für einen erſten Abend bedeutend in die Höhe zu treiben.