484 Ueber italieniſche Theater.
man erzeigt ſich für jede Nuance, die der Künſtler anbringt, dankbar; einzelne Enthuſtaſten chauffiren ſchon während des Geſanges; ſie laſſen ein Grunzen der Bewunderung hören, man vernimmt Eh! einzelne Bene! und Bravo! und das iſt für die Sänger da oben, was für das edle Pferd die leiſeſte Berührung des Sporns iſt; es nimmt alle Kräfte zuſammen, es leiſtet das Uebermögliche, es erreicht ſiegreich und doch mit Leichtig⸗ keit das Ziel.
Nach Beendigung einer ſolchen Arie oder eines Duettes, das die Italiener vollkommen befriedigt, ſtnd die Beifallsbezeugungen für den, der nicht daran gewöhnt iſt, wahrhaft erſchreckend; die Habitués und jungen Elegants des Paterres, z. B. in Maliland, ſchreien nicht Bravo! oder Brava! auch nicht Bene! wie in Rom und Florenz, ſondern ſie begnügen ſich mit der erſten Sylbe des Bravo— Bra—a— a—al die ſie crescendo gellend ausſtoßen, um oft mit einem wilden Schrei zu endigen; dazwiſchen Händeklatſchen, Pochen, kurz alle Zeichen des enthuſtaſtiſchen Beifalls, und die droben, ſeien es Tyrannen oder Liebhaber, glückliche Bräute oder erzürnte Eiferſüchtige, alle laſſen für einen Augenblick ihre Rolle im Stich, um ſich dankend vor dem Publikum zu verneigen. Ein ſolcher Applaus erweckt aus Ohnmachten und vom Sterben, und wenn Einer, noch ſo ſicher auf den Tod getroffen, bewußtlos in den Armen ſeines Freundes liegt,— er richtet ſich auf, bedankt ſich ſüß lächelnd, um gleich darauf wieder ruhig fortzuſterben.
Es iſt eigenthümlich, wenn auch wohl begreiflich, daß das Intereſſe an einer oft gehörten Oper, wenn die Sänger nicht ganz außerordentlich vor⸗ züglich ſind, eher erliſcht als am Ballete. Bekanntlich wird in Italien zu einer Oper von vier Akten ein großes Ballet in ſechs bis acht Tableaur gegeben. Tableau bedeutet hier einen Wechſel der Scenerie oder eine ver⸗ änderte Situation der Handlung. 8 eine Oper ſchon einige Zeit auf dem Repertoire und der erſte Act nicht gerade ſehr ausgezeichnet, ſo ſind zu Anfang des Theaters Logen und Parterr wunt ziemlich leer; man weiß, das Ballet beginnt nach zehn Uhr, und dann füllt auch erſt um dieſe Zeit ſich das Thea⸗ ter überraſchend ſchnell. Natürlich iſt es hier auch wie in der Oper: das Publikum hat ſeine Lieblingsſtellen, bei denen es mit großer Aufmerkſam⸗ keit zuſchaut, und wo ſeine Beifallsbezeugungen, wenn es zufrieden geſtellt iſt, noch lauter und ausgelaſſener ſind, als in der Oper. Kommt irgend ein ſtilleres Tableau, wie z. B. in einem der neueſten Ballete„Monte


