182 Ueber italieniſche Theater
Gründlichkeit und Gewiſſenhaftigkeit eine Verdi'ſche Oper mit Balletunter⸗ brechungen von Anfang bis zu Ende, d. h. von acht Uhr Abends bis ein Uhr in der Nacht auszukoſten, der wird freilich ſehr ermattet, einigermaßen gerädert nach Hauſe ſchleichen und ſich dort ſeufzend der deutſchen Heimat erinnern, wo um ſechs Uhr das Theater anfängt und um neun Uhr, höch⸗ ſtens halb Zehn ſowohl die Norma droben als der Zuſchauer unten aus gelitten haben.
Wer aber über italieniſche Theater ein Urtheil fällen will, der muß ſi mit erlebt haben, der muß alle Annehmlichkeiten und allen Comfort deſein ben kennen und muß vor allen Dingen Sinn für eine gewiſſe Art von Vergnü gen haben, welches darin beſteht, ſich zum Beſuch der vornehmen Theater wie zu einer jeden andern ausgewählten Soiree anzuziehen, damit auch ſein eigenes Aeußere ſtimme zu der kleinen eleganten Salonloge, zu der Dame des kleinen Hauſes in großer Toilette, Blumen und Brillanten, die hier ihre Bekannten und Freunde ebenſo empfängt wie zu Hauſe in ihrem Palaſte. Es iſt freilich nicht leicht, dies Leben angenehm zu finden, aber einmal hineinlancirt, möchte man es um keinen Preis miſſen.
Wenn aller Anfang ſchwer iſt, ſo gehört der Anfang eines ſolchen
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Lebens mit zu dem Schwerſten, was es gibt; aber iſt einmal das erſte
gebrochen, wird man in ein pa der vornehmen Logen gern eiee
hat man bald alle Ränge für ſich, und wer alsdann ſeine Pflicht und Schul⸗ digkeit thun will, fürd den ſind die enormen Zwiſchenakte der italieniſchen Opern noch viel zu kurz; es wird nicht nur als ein Vergnügen betrachtet, die Logen ſeiner Bekannten zu beſuchen, ſondern es iſt das eine Verpflich⸗ tung, die man für ein Haus hat, in deſſen Salons man freundlich auf genommen wurde.
Da auch während der Akte ſelbſt Beſuche, Plaudern und Lachen häufig genug fortdauern, ſo entſteht begreiflicher Weiſe öfters ein ſolches Geſumme
in den großen Theatern, daß es kaum möglich iſt, etwas von einer Muſik zu
vernehmen. Iſt dies aber der Fall, ſo verliert man auch gewöhnlich nichts
an dem, was droben geſunger geſpielt wird, entweder iſt es ein lang
alte unſchuldige
weiliger Chor, der droben Wuth und Rache ſchnaubt, oder
Landmädchen, die ſich vom Glück und den Freuden der Liebe unterhalten,
oder es ſind mittelmäßig und Sängerinnen, die aber doch nicht
ſchlecht genug ſind, un
unterbrechen zu können der Bühne etwas ganz


