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Von F. W. Hackländer. 481
vergoldet und mit rothem Sammt oder ſchweren ſeidenen Stoffen von der⸗ ſelben Farbe bezogen.
Wer das italieniſche Leben und Treiben in den Theaterlogen kennen gelernt hat, der vermißt dieſe Einrichtung bei uns außerordentlich. Wäh⸗ rend wir das Theater gewiſſenhaft beſuchen, es als ein Vergnügen betrach⸗ ten, das nur durch eine ermüdende Ausdauer abverdient werden kann, ja als eine Art von Arbeit, die wir, einmal angefangen, auch pflichtſchuldigſt bis zum Ende durchführen müſſen, iſt der Theaterbeſuch für die Italiener ein wirkliches Vergnügen, eine Unterhaltung, eine Erholung. Während wir gewiſſenhaft auf unſerem Platze ſitzen, mit dem Nachbar ſelten reden — denn wir fürchten von ihm oder dem Hintermann zur Ruhe verwieſen zu werden— während wir in der Oper jeden Geigenſtrich vom Anfang der Ouverture bis zum Ende des Finale ſtill duldend genießen, während wir in einem Luſtſpiel alle die tauſend oft ſehr langweiligen Worte auf uns niederſtrömen laſſen, wie der Hund den Regen, während wir alſo, um mich kurz zu faſſen, des Stückes wegen im Theater ſitzen, bildet ſich der Italiener mit vielem Recht ein, das Stück werde nur ſeinetwegen aufgeführt und er habe ein Recht, davon nur das zu hören und zu genießen, was ihm gefällt. Viel mag hiezu beitragen, daß in Italien bekanntlich eine Oper in der Saiſon von ſechs bis acht Wochen vielleicht fünfzehn bis zwanzigmal gegeben wird, denn auf dem Repertoire befinden ſich zwei, höchſtens drei Opern und vielleicht ebenſoviele Ballete. Wir dagegen ſehen bei jeder Vorſtellung etwas Anderes, bald dieſe oder jene Oper, dann ein Ballet, ein Trauer⸗ ſpiel oder ein Luſtſpiel. Das kommt dann wieder darauf heraus, was ich mir vorhin erlaubt zu ſagen: wir haben mehr für unſer Geld, wir dienen den Eintrittspreis im Schweiße unſeres Angeſichtes ab, wir arbeiten im Theater, da wir dort lernen wollen und ſollen, wogegen der Italiener nur an einen angenehmen Zeitvertreib denkt, indem er ſich amuſirt.— Wer recht oder unrecht hat, beruht auf Meinungen und iſt ſehr ſchwer zu unter⸗ ſuchen; ſoviel ſteht dagegen feſt, daß wer ſich einmal in den italieniſchen Theatern bewegt, gewiß mit Freuden und wieder mit einem kleinen ſchmerz⸗ lichen Anfluge daran zurückdenkt.
Nicht ohne Abſicht ſagte ich eben: wer ſich in den italieniſchen Thea⸗ tern bewegt hat, wird dieſe Abende ſo leicht nicht vergeſſen— ein Frem⸗ der freilich, der nach dem Süden geht, ſich in den großen Theatern von Mailand, Venedig u. ſ. w. einen Sperrſitz kauft um dort mit deutſcher
Hausblätter. 1857. I. Bd. 31


