480 Ueber italieniſche Theater.
Hierbei iſt eigentlich wieder für den weiblichen Theil der Bevölkerung ſtief⸗ mütterlich geſorgt: eine Italienerin vermeidet es, wo ſie kann, und iſt ſehr ſchwer dazu zu bringen, auf einen Sperrſitz des Parterres oder gar in dieſes ſelbſt zu gehen, und außer dieſen Plätzen gibt es nur Logen, in welchen einzelne Sitze nicht zu haben ſind, ſondern die eine Perſon oder eine Geſellſchaft für ſich allein und den Abend miethet.
Bei dieſen Vermiethungen gelten eigentlich in keinem Theater feſte Preiſe; dieſelben hängen von verſchiedenen Umſtänden ab, von einer guten oder ſchlechten Oper, von einem Sänger oder einer Sängerin, die gefallen oder nicht gefallen, von einem Ballet, das mit mehr oder weniger Pracht gegeben wird, auch vom Wetter, von einem Feſttage, von der Anweſenheit irgend einer hohen Perſon oder dergleichen. Daher kommt es denn, daß man vielleicht heute nur mühſam irgend eine Loge für zehn Zwanziger er⸗ hält, die Einem morgen auf der Straße vergeblich für vier Zwanziger ange⸗ boten wird. Dieſer Handel mit Logen(Balci) wird in der Nähe großer Kaffeehäuſer, namentlich aber vor den Theatern ſelbſt eifrigſt betrieben. Die Händler rufen:„Balci!“ für die verſchiedenen Ränge und klappern dazu mit ihren Schlüſſeln. Man läßt ſich einen Preis nennen, man handelt daran herunter, was möglich iſt, und iſt man endlich einig geworden, ſo rann man ſo viele Perſonen mit in die Loge nehmen, wie dort Platz haben; jeder aber muß beim Eintritt eine Karte löſen, für die er aber alsdann auch das Parterre beſuchen kann. Man geht alſo hinauf, ſchließt die betreffende Loge auf— Nummer und Rang ſind auf dem Schlüſſel bemerkt— und ſetzt ſich auf dieſe Art in Beſitz derſelben. Einige Augenblicke nachher er⸗ ſcheint der Logenwärter, um den Schlüſſel zurückzufordern, wobei er zu gleicher Zeit ein kleines Trinkgeld, drei Kreuzer oder ſo etwas, erhält.
Jetzt ſind wir Beſitzer einer Loge, die ſich, was Größe und Einrich⸗ tung anbelangt, nach dem Range der verſchiedenen Theater richtet; dabei iſt es bemerkenswerth, daß die wohlfeilen Theater die größten Logen haben; natürlicher Weiſe läßt hier das Meublement und dergleichen viel zu wünſchen übrig; man hat hier dürftig gepolſterte Bänke, glatte einfache Wände und eine mit Heu ausgeſtopfte Brüſtung. Je vornehmer aber das Theater wird, je mehr ſich die Loge verengt, um ſo eleganter iſt die Ausſtattung, ſo daß wir uns zuletzt in einem kleinen reich geſchmückten Salon befinden, die Wände lackirt und vergoldet, mit Spiegeln und Draperien verſehen, Teppiche auf dem Boden, kleine Fauteuils an der Brüſtung, alles Ameublement reich


