Jahrgang 
1 (1857)
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Ueber italieniſche Theater.

Von

F. W. Hackländer.

Die Theater in Italien ſind dort ein Bedürfniß für alle Stände, eine wirkliche Volksbeluſtigung; wer irgend etwas Geld auszugeben hat, ver⸗ wendet es dazu, um eine Oper oder ein Luſtſpiel von Goldoni zu ſehen. Was wir öffentliche Vergnügungen nennen, davon bietet das italieniſche Leben ſehr wenig; man kennt weder Wirthshäuſer nach unſern Begriffen, weder öffentliche Gärten, wie in den ſüddeutſchen Städten, weder häusliche Geſellſchaften noch Soireen, d.h. für die Bürger⸗ und untern Volksklaſſen, und weiß ſo gut wie gar nichts von Bällen unv andern TFanzbeluſtigungen.

Wenn der Italiener der Bürgerklaſſe mit ſeiner Familie einen ſonn⸗ täglichen Spaziergang gemacht hat, in Mailand auf dem Corſo, in Florenz nach den Cascinen, in Rom auf dem Monte Pincio, in Venedig nach den Giardini Pubblici, ſo ſind für die weiblichen Mitglieder des Hauſes mit Ausnahme des Theaters die Vergnügungen ſo gut wie erſchöpft; der Mann dagegen hat das Kaffeehaus, das er beſucht, ſo oft ihm ſeine Geſchäfte einen Augenblick Zeit dafür laſſen. Dort findet man ihn, ehe er auf ſein Bureau oder Comptoir geht; dort trifft er zur Mittagsſtunde Bekannte genug, mit denen er von Geſchäften und Tagesneuigkeiten ſpricht; dort liest er vor ſeinem Diner die Zeitungen; dort ſetzt er ſich Sonntags mehrere Stunden lang feſt, wenn der nothwendige Familienſpaziergang vorüber iſt; dort hat er Abends ſeinen Platz, wo er ſeine Taſſe Kaffee nimmt und wo er plau⸗ dernd oder ſtill betrachtend ſitzt, bis es Zeit iſt, nach Hauſe zurückzukehren oder ins Theater zu gehen.

Weil ſich alle Stände des italieniſchen Volkes am Theater betheiligen, i*ſt es auch nothwendig, daß man in den größeren Städten viele derſelben findet, jedes für gewiſſe Klaſſen und Vermögensverhältniſſe eingerichtet.