478 Araucania. Von Ernſt Freiherrn von Bibra.
Tage dauerndes Zechgelage beendigt endlich alles, und je feſtlicher es bei demſelben hergegangen, je reichlicher Speiſe und Trank geſpendet wurden, deſto ſicherer halten ſich die Hinterbliebenen überzeugt, daß der Geiſt des Verſtorbenen nicht zurückkehrt und ſie quält oder ſchreckt.
Aber trotz ihres Aberglaubens, welchen übrigens, wenn auch unter etwas veränderter Form, faſt alle Völker der Erde beſitzen, trotz ihrer Barbarei gegen die Frauen und endlich trotz ihres blinden Heidenthums ſind die Araucaner dennoch von ihren Nachbarn, den Chilenen, nicht allein gefürchtet, ſondern ſie erfreuen ſich auch einer Art erzwungener Achtung, erzwungen durch ihren Muth und durch die Jahrhunderte lang ſich voll⸗ ſtändig gleichgebliebene Energie in der Vertheidigung ihrer Unabhängigkeit.
Nur wenige Notizen ſind von dieſem Volke, welches mitten unter einer chriſtlichen civiliſirten Bevölkerung ſelbſtändig blieb, nach Europa ge⸗ drungen. Aber dies hat ſeinen Grund darin, daß man in der großen Familie der Chilenen die Stellung dieſer Araucaner ſo ziemlich als das be⸗ trachtet, was man im Kleinen ein„ Familienverhältniß“ zu nennen pflegt, womit man ſtets eine unangenehme Sache oder eine Perſönlichkeit bezeich⸗ net, von welcher man nur ungern oder wenigſtens in ſehr umſchreibenden Ausdrücken ſpricht—
Das ſchlanke ſchwankende Rohr der Coligue aber, aus dem die nie fehlende Lanze dieſer Indianer gefertigt iſt, hat bis auf dieſen Tag die mächtigen Baumrieſen des araucaniſchen Urwaldes vor den zerſtörenden Einflüſſen der Gewinnſucht geſchützt, und trotz einer halben Welt voll ge⸗ winnſüchtiger Spekulanten können wir doch nicht umhin, jenem eigen⸗ thümlichen Volke Glück zu wünſchen zu dieſer Waffe und ſeiner durch ſte bewahrten Unabhängigkeit.
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