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Von Ernſt Freiherrn von Bibra. 477
die Art und Weiſe, auf welche man ſich in Araucanien verheirathet. Man kauft nämlich dort ſeine Frau vom Vater, während in Europa gewöhnlich dieſer letztere noch eine Dreingabe zu bezahlen verpflichtet iſt, eine Mitgabe, welche man ſonderbarer Weiſe in Deutſchland Mitgift nennt. Es iſt aller⸗ dings auch richtig, daß bisweilen arme Individuen in Europa ſich bei ſol⸗ chen Gelegenheiten auf eine gewiſſe Zeit, welche man dem Gebrauche nach „ewig“ nennt, nur ihre Herzen ſchenken, indeſſen iſt dieſe Art ſich zu ver⸗ heirathen wenig beliebt und wird täglich unmoderner.
Nebenher ſind aber in Araucanien noch verſchiedene Bedingungen, welche den Stand eines Familienvaters bedeutend erſchweren. Iſt zum Bei⸗ ſpiel eine Frau in Folge einer thätlichen häuslichen Zwiſtigkeit geſtorben, ſo muß der Ehemann ſie auf ſeine Koſten begraben laſſen, ja in manchen Fällen dem Vater oder Anverwandten noch eine gewiſſe Summe bezahlen. Dieſe Maßregel wird von den Häuptlingen ſtreng gehandhabt, und mein Freund Domeyko, Profeſſor in Santjago, welcher längere Zeit Arauca⸗ nien bereiste, hörte öfters die Männer ſich bitter über dieſelbe beklagen, während er auf der andern Seite der Sanftmuth und Unterwürfigkeit der Weiber alles Lob ſpendete.
Nicht minder barbariſch als die Art zu freien und die Frauen zu be⸗ handeln, ſind die bei Begräbniſſen gebräuchlichen Ceremonien. Man vehatt die Leiche ſo lange im Hauſe, bis alle Bereitungen zu dem Todenmahle ge⸗ troffen ſind, und da bei dem Tode angeſehener Perſonen häufig mehrere hundert Gäſte erwartet werden, ſo dauern dieſe Zurüſtungen oft zwei bis drei Monate. Während dieſer Zeit befindet ſich der Verſtorbene, mit ſeinen letzten Kleidern geſchmückt, in einem Boote, wenn es ein Küſtenbewohner iſt, oder in einer Art Mulde, hat er den innern Theil des Landes bewohnt, und man hat ihn im allgemeinen Wohngemach, in der Nähe der Feuer⸗ indem man die nach und nach zuſammen gebrachten Weizen und andern Dingen, ſowie die mittlerweile
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ſtelle, aufgehängt, Vorräthe an Mais, bereitete Chicha, den Apfelwein, neben ihn hängt. Der Geiſt des Ver⸗ ſtorbenen fühlt ſich durch dieſe Aufmerkſamkeiten ſehr geſchmeichelt und ſieht bei jedem neuen Zuwachs von Viktualien mehr und mehr ein, daß es höchſt unpaſſend wäre, in das Haus zurückzukehren und zu ſpuken. Die ſterbliche Hülle indeſſen verſäumt nicht in Fäulniß überzugehen, und verbreitet bald einen ſolchen grauenhaften Geruch, daß man ſchon in einer Entfernung von tauſend Schritten ein Trauerhaus zu bezeichnen vermag. Ein oft mehrere


