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Von Ernſt Freiherrn von Bibra. 475
mit der raſendſten Schnelligkeit an, parirt und ſitzt mit derſelben Sicher⸗ heit auf dem Rücken ſeines Roſſes, mit welcher er ſich auch auf der Seite oder zwiſchen den Beinen deſſelben zu halten weiß. In allen dieſen Lagen handhabt er mit gleicher Gewandtheit ſeine Lanze. Indem er beim Angriffe ihre Spitze in einer fortwährenden vibrirenden blitzſchnellen Bewegung zu halten weiß, welche bald einen Kreis von mehreren Fußen, bald eine ver⸗ tikale, bald eine horizontale Linie beſchreibt, iſt der Feind ſich bloß ſeiner Gefahr bewußt, ohne mit irgend einer Waffe im Stand zu ſein, die ſtets tödtliche Spitze zu faſſen und zu pariren.
Ich habe einmal einen Trupp dieſer indianiſchen Krieger, welche übri⸗ gens in friedlicher Abſicht das chileniſche Gebiet beſuchten, ihre Lanze zum Scherze ſchwingen geſehen, und kann die ſchwirrende Bewegung, welche die Spitze machte, nur mit dem Fluge mancher unſerer Abendſchmetterlinge vergleichen, welche pfeilſchnell und in den mannigfachſten Wendungen die Blumen umſchwärmen. Trotz dieſer ewigen Beweglichkeit trifft aber die Spitze ſtets ihr geſtecktes Ziel auf den Punkt.
Es klingt faſt lächerlich, aber höchſt ehrenhafte und glaubwürdige Augenzeugen haben mich verſichert, daß„dieſe nichtswürdigen Schufte,“ kämpfen ſte mit einem Gentleman, ver eine ſchöne Uniform trägt, dem⸗ ſelben ſtets die tödtliche Wunde an irgend einer Stelle beibringen, wo das glänzende Kleid geſchont wird. Der Indianer iſt ein vorſichtiger und haus⸗ hälteriſcher Mann, er ruinirt nicht muthwillig den Rock, welchen er für ſich ſelbſt zu benützen gedenkt.— Faſt zu lange ſchon haben wir von dieſer gefürchteten Lanze geſprochen, aber, wir wiederholen es, ſie repräſentirt Araucanien und ſeine Unabhängigkeit und hält die ganze ſüdliche Weſt⸗ küſte glänzend im Schach.
Außerdem führt der Araucaner noch den Laſſo, die bekannte Wurf⸗ ſchlinge, ein ebenfalls höchſt liebenswürdiges Inſtrument, mit welchem er, beliebt es ihm eben nicht, ſeinen Gegner todt zu ſtechen, denſelben auf 15 bis 20 Schritte Entfernung mit der zuverläſſigſten Sicherheit fängt, und gewöhnlich ſogleich mit der größten Korrektheit erdroſſelt oder vielleicht auch zu Tode ſchleift.—
Das iſt der Araucaner im Kriege, ein blutgieriger, wüthender Bar⸗ bar, der ſchonungslos alles mordet, was ſich ihm entgegenſtellt.
Der Araucaner im Frieden iſt aber ein ganz anderer Mann. Er iſt nicht nur gaſtfrei, wie es zur Ehre der Menſchheit alle Völker ſind, bei


