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474 Araucania.
Ueberzeugung, daß ſie es auch in der Folge thun werden. Dies erſetzt der araucaniſchen Nation alle hiſtoriſchen Compendien und alle archäologiſchen Forſchungen kultivirter Völker, ſowie alle fabelhaften und verrückten Sagen anderer indianiſcher Stämme.
Die ſtaatliche Einrichtung der Araucaner bietet nichts Beſonderes dar. Sie ſtehen unter einzelnen Oberhäuptern, welche bald mehr, bald weniger Untergebene haben. Dieſe Häuptlingswürde iſt erblich, und manche Beſitzer derſelben tragen ſo deutlich in ihren Geſichtszügen den Stempel europäiſcher Abkunft, daß man kaum anſtehen kann, den Frauen⸗ und Kinderraub früherer Zeiten mit ihrer Eriſtenz in Einklang zu bringen.
Bisweilen indeſſen gelangen auch Leute, welche ſich Reichthümer er⸗ worben haben, zur Häuptlingswürde. Allein dieſen einzelnen Häuptlingen leiſtet man im Frieden nicht ſtets unbedingten Gehorſam, wenn man irgend einen Befehl nicht eben für durchaus nothwendig oder vielleicht auch nur einfach für unbequem hält. Bisweilen entſcheidet dann eine Verſammlung der älteſten und angeſehenſten Anführer, manchmal auch wohl das Loos. Aber im Krieg oder zu Zeiten der Gefahr überhaupt, gehorcht man ohne alle Widerrede ihren Anordnungen. Dann lodern auf den Bergen die nächtlichen Signalfeuer, und oft in wenig Stunden iſt der anrückende Feind überfallen von einem Haufen halbnackter und ganz wüthender Männer, mit wild flatterndem Haar, mit bemaltem Geſichte, auf Pferden, welche die Ausdauer eines Kameels mit der Behendigkeit einer Gemſe verbinden, und in der Hand die lange araucaniſche Lanze ſchwingend.
Dieſe Lanze iſt der Krieg, ſie iſt Araucanien, ſte iſt ſeit Jahrhun⸗ derten der Schrecken aller Bewohner der Weſtküſte, ja ſelbſt der benach⸗ barten Völker auf der Oſtſeite der Cordillera, und mithin repräſentirt ſie die Unabhängigkeit, die Freiheit und die Eriſtenz ihrer tapfern Beſitzer. Auf den erſten Blick gleicht dieſe gefürchtete Waffe jenen ungeheuern Angel⸗ ruthen, welche fiſchluſtige Engländer an den Forellenbächen unſerer Ge⸗ birge umherſchleppen, und ſie iſt in der That auch kaum ſtärker und hat, bei zwanzig und mehr Fuß Länge, am untern Ende nur einige Linien Dicke. Aber ſte iſt aus dem zähen und dabei doch leichten und biegſamen Stengel der Coligue gefertigt und am Ende mit einem dünnen, ſpitzen und gut ge⸗ härteten Stück Stahl verſehen. Eben in dieſer Biegſamkeit liegt indeſſen ihre Gefährlichkeit. Von Jugend auf mit ſeinem Pferde verwachſen, lenkt der Araucaner daſſelbe durch die leiſeſte Bewegung ſeines Körpers, ſprengt


