Jahrgang 
1 (1857)
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3 6 ul 472 Araucania.

dieſes unvermeidliche Kleidungsſtück aller Bewohner der Weſtküſte, von

welchem man nicht mehr ſagen kann, ob ihn die eingewanderten Europäer

von den EingeboreNoder dieſe von jenen angenommen haben. Er be⸗

ſteht der Form na aus einer Decke, in deren Mitte ſich ein Loch befindet,

dur welches man den Kopf ſteckt, während die beiden Enden auf Bruſt

und Rücken herabhängen. Ferner tragen ſie Beinkleider, meiſt weit und

an den halben Waden abgeſchnitten; ebenſo enden die Strümpfe an den

Knöcheln und laſſen den Fuß bloß. Schuhe ſcheint nur ein ſeltener Artikel be

zu ſein, doch werden ſte bisweilen getragen, obgleich die mächtigen Sporen nat

meiſt um die bloßen Füße geſchnallt ſind.

Die Frauen haben ein weites, in der Mitte des Leibes durch einen K

Gürtel befeſtigtes Kleid, welches häufig durch eine große ſilberne Nadel

auf der linken Schulter feſtgehalten und oft ſehr zierlich drapirt iſt. Das

glänzende Haar iſt, erlauben es der Wille und die Mittel des Mannes, mit

Glasperlen geziert und mit ſilbernem Schmuck, den man im Lande gut zu

fertigen verſteht. a

Dies alles nun bietet nichts Beſonderes und kann bei mancherlei an⸗ er

deren wilden oder halbkultivirten Stämmen ähnlich getroffen werden. Aber

die Araucaner haben zwei Eigenthümlichkeiten, welche kaum irgend ein an⸗

1 deres Volk aufzuweiſen hat. Sie haben keine Prieſter, keine Tempel, keine

heiligen Haine, oder etwas dem Aehnliches, und keine ſichtbaren Abbil⸗

dungen der Gottheit. Demnach ſtünden unſere Araucaner auf dem Stand⸗ 1 1

punkt, der aus verſchiedenen Gründen von verſchiedenen Philoſophen des alten Europa ſeit der älteſten Zeit bis auf die neueſte ſo ſehnlich gewünſcht worden iſt.

1 Auf der andern Seite aber glauben ſie an eine Unſterblichkeit der Seele, und nicht nur an einen, ſondern ſelbſt an zwei Götter, einen guten, Pillan, und einen böſen, Cuecuban. Der erſte hilft die Feinde ſchlagen, bringt gute Ernten und liebt ſeine braunen Söhne. Der zweite macht Erdbeben, Mißernten und unmäßigen Regen, ſteckt in den böſen Weibern und thut mithin alles, um die armen Männer mürbe zu machen

und zu quälen.

Aber man hat keinen Vermittler zwiſchen dieſen beiden Göttern und den Menſchen und auch keinen Kultus oder irgend eine Spur der Verehrung, außer daß bei feſtlichen Gelegenheiten die erſten Tropfen Blutes der geſchlach⸗ teten und zum Verzehren beſtimmten Thiere auf die Erde gegoſſen werden.