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Von Ernſt Freiherrn von Bibra. 471
und verſchwinden zuletzt in der Nähe der königlichen Cordillera, deren ſchneeige Kronen, von der Sonne vergoldet, ſtolz zum Himmel emporragen.
Aber kaum gewahrt man eine Spur von menſchlicher Anſtedelung in dieſem Waldmeere. Kein ferner Kirchthurm glänzt zwiſchen den Säulen des Waldes und kein profitabler Dampfſchlot hat bis jetzt eine Lücke ge⸗ biſſen in die grüne Urpracht für ein langes, weißgetünchtes Fabrikgebäude. Nur hie und da kräuſelt ſich bisweilen auf einige Minuten ein dünner, blauer Rauch empor, der dann ſpurlos verſchwindet, vielleicht das Feuer einer einſamen Hütte oder eines wandernden Jägers. Die tiefe heilige Stille aber, welche ringsum herrſcht, gibt dem ohnehin ſchon ernſten Bilde eine faſt feierliche Weihe. Nur bisweilen ertönt der eintönige Schrei eines Raubvogels über unſerm Haupte, oder ein leiſer Windhauch flüſtert auf einige Augenblicke durch die Gehäge der Coligue, indem er mit ſeinen un⸗ ſichtbaren Schwingen ihre ſpitzen Blätter erzittern macht.
Und doch bewohnt ein kräftiges, wenn auch eigenthümliches Volk den vor uns liegenden Landſtrich, nur ſind ſeine Siedlungen theils zu ferne gelegen, um von uns entdeckt zu werden, oder ſie ſind, geſchützt durch Wald und Höhen, unſeren Blicken entgangen.
Indem wir dem freundlichen Leſer Glück wünſchen, daß wir ihn mit keiner ethnographiſchen Mythe über den erſten Urſprung der Araucaner langweilen können, wiederholen wir nur, daß ſeit der erſten Entdeckung des Landes durch die Spanier bis auf den heutigen Tag ſich Sitte und Lebensweiſe ſeiner Bewohner nicht im mindeſten geändert haben, wenn auch von ihnen manche techniſchen Vortheile der Europäer aufgenommen wurden.
Das Aeußere der Araucaner bringt keinen ungünſtigen Eindruck her⸗ vor. Ihre Farbe iſt braun, indeſſen nicht rothbraun, wie die der nord⸗ amerikaniſchen Indianer, ſondern kann eher mit dem dunkeln Teint ver⸗ glichen werden, welcher auch Europäern eigen wird, die ſich anhaltend in freier Luft, in Wind und Wetter bewegen. Ihre Augen ſind groß, ſchwarz und feurig, die Naſe häufig gebogen und die Nüſtern nicht ſo weit geöffnet, wie bei vielen andern Indianerſtämmen. Der Mund hat den Ausdruck der Sinnlichkeit, und das tief ſchwarze Haupthaar iſt ſtets ſtraff, nie gekräuſelt. Was ihren Wuchs betrifft, ſo überſchreitet er ſelten die Mittelgröße und iſt eher kleiner als größer, dabei aber ſind ſie kräftig und gewandt, und namentlich Reiter, wie vielleicht wenig andere Völker der Erde.
Die Kleidung der Männer iſt eine ſpitze Filzmütze, dann der Poncho,


