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470 Araucania.
ſprache, erreichen beide häufig eine Höhe von 80 bis 100 Fuß, und den⸗ noch ſteigen Lianen bis zu ihrem Gipfel empor, um von dort einen andern Baumrieſen zu umſchlingen und abwärts kletternd wieder den Boden zu erreichen, von wo aus daſſelbe Spiel vielleicht noch einmal beginnt. So erreichen dieſe Schlingpflanzen eine Länge von mehr als 100 Ellen. Die häufigſte derſelben iſt die ſogenannte Cogul, welche zu Tauen verwendet wird und treffliche Dienſte leiſtet. In anderen Diſtrikten ſteht die Alerze, deren Stamm nicht ſelten einen Durchmeſſer von 15 Fuß hat, und die Araucania, eine koloſſale Fichte von 100 und mehr Fuß Höhe. Ihr Gipfel iſt halbkugelförmig, der flache Theil nach oben, und ſo glatt, ſo hart und unbiegſam der ſchlank aufſteigende Stamm iſt, ſo beweglich ſind die vielfach verſchlungenen Aeſte und die Krone des Baumes, in der ſeine Früchte, die Pinonen reifen, welche eßbar ſind und den Indianern zum Theil das Brod erſetzen.
Bisweilen aber machen dieſe großartigen Koloſſe des Urwaldes einem zierlicheren, reizenden Baumſchlage Platz. Man trifft Gruppen des wohl⸗ riechenden Laurel, gemengt mit einer andern Lorbeerart, der Lingue, oder der Peumo prangt unter den weißblühenden Myrthen mit ſeinen hochrothen Beeren, und die Lama entzückt uns durch den reizenden Kontraſt, welchen ihr roſenrother Stamm mit den zierlich geformten dunkelgrünen Blättern und den duftenden weißen Blüthen macht.
An andern Stellen jenes Gebirges ſtößt man endlich auf Sümpfe. In ihnen wächst die Quile und die Coligue, zwei Rohrarten, welche den Wald in ein undurchdringliches Dickicht verwandeln, das bis zu 50 und 100 Fuß aufſteigt. Nicht ſelten aber gehen dieſe Sümpfe in einen See über, der mit tauſenden von Waſſervögeln belebt iſt und von welchem kleine Flüſſe thalabwärts ſtürzen, entweder, je nach der Waſſerſcheide, ſogleich ins Meer oder ins Flachland, um von dort, nach mehr oder weniger lan⸗ gem Laufe mit einem der größeren von der hohen Cordillera kommenden Ströme vereinigt, ebenfalls den Weg ins Meer zu ſuchen.
Nicht ſelten gewinnt man von den Plateaus, auf welchen ſich ſolche Seen geſammelt haben, einen Blick über das ganze Land der Araucanei bis zur hohen Cordillera. Dann liegen die mächtigen Kronen der Alerze, der Roble und der Araucania zu unſern Füßen wie ein grüner, ſchwellen⸗ der Moosteppich, der endlich in durchſichtiges Blau übergeht. Die mäch⸗ tigen Ströme des Landes durchſchneiden denſelben gleich ſilbernen Bändern


