Jahrgang 
1 (1857)
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Von Ernſt Freiherrn von Bibra. 469

Leſer die letzteren vorführen, und behalten uns vor, vielleicht ſpäter von den erſteren berichten zu dürfen.

Araucanien iſt das Land der unbezwungenen Indianer, welches etwa vom 39ſten Grade ſüdlicher Breite bis zum 37ſten mitten im Gebiete von Chile liegt und den Beſitz der Europäer, oder deren Nachkommen wenigſtens, in zwei Theile theilt. Von Diego Almagro an bis auf den heutigen Prä⸗ ſidenten der Republik war niemand im Stande, dies Land zu erobern, zu bekehren, zu kultiviren oder, was daſſelbe iſt, zu zerſtören. Hingegen haben dieſe kühnen Indianer von jeher mit unerbittlicher Strenge alle Eingriffe in die Grenzen ihres Gebietes zurückgewieſen, und als zu Ende des 17ten Jahrhunderts die Spanier ſich ihnen ſtets mehr und mehr mit Anſiedelun⸗ gen näherten, brachen ſie plötzlich aus ihren Grenzen, zerſtörten ſteben Städte, tödteten alle Männer, nahmen aber die Weiber und Kinder mit ſich, um, wie ſie geſagt haben ſollen, ihre Race zu verbeſſern.

Seit jener Zeit ſcheint kein ernſtlicher Verſuch mehr gemacht wor⸗ den zu ſein, die gefährlichen Nachbarn gänzlich zu beſiegen, im Gegentheil gingen dieſe faſt aus allen kleineren Kämpfen ſiegreich hervor, und die vielfältigen Verſuche, ſte durch das Gift europäiſcher Kultur zu unterjochen, dienten bloß dazu, ſie erfahrener und unbezwinglicher zu machen, indem ihre Häuptlinge den Grundſatz bewahren, von fremder Sitte bloß das an⸗ zunehmen, was nützlich und ihren eigenen Gebräuchen angemeſſen iſt, alles andere aber entweder phyſiſch oder moraliſch zu zerſtören.

Araucanien hat eine Grundfläche von etwa 600 Quadratmeilen, und da es Chile der Breite nach vollkommen durchſchneidet, ſo iſt ſeine öſtliche Grenze die Andeskette, während die weſtliche vom ſtillen Ozean gebildet wird. Aber auch hier treten ſchützend und ſchirmend ziemlich mächtige Ge⸗ birge auf, die ſogenannte Cordillera de la coſta, welche gegen die See zu meiſt ſteil abfällt, landeinwärts aber häufig flacher ausläuft und an vielen Stellen auch noch durch eine zweite niedere Hügelreihe vom Flachlande ge⸗ trennt wird.

Hie und da iſt dieſes Küſtengebirge von mächtigen Schluchten durch⸗ furcht, durch welche die das Land durchſtrömenden Waſſer ihren Weg ins Meer ſuchen. Das Gebirge ſelbſt aber iſt bewaldet mit jenen rieſigen Stämmen, welche Ercilla in ſeinemla Araucana mit ſo glühender Be⸗ geiſterung geſchildert hat. Die mächtige Rotheiche, in jenen Gegenden el Roble genannt, und eine Buchenart(Fagus procera), Rauli in der Landes⸗