Jahrgang 
1 (1857)
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Von Edmund Hoefer. 27

noch immer nicht überzeugen, daß die Uebertragung ſeiner Wechſel an Stolzenburg nur ein Blendwerk geweſen, wie du meinteſt. Glaub mir, es war bittere Wahrheit er bezahlte damit nur Vorſchüſſe; ich habe

dem Alten nie getraut und begreife noch heut nicht, wie dein Vater grade

ihn zum Vormund beſtimmen konnte. Der Kaufmann ſchüttelte gleich⸗ falls den Kopf.Wie oft ſoll ich dir ſagen, daß du und ihr alle euch irrt! antwortete er finſter.Glaub mir, Stolzenburg hatte einen Narren gefreſſen an dem Burſchen. Und wie Florentin auch war, wie viel er auch verſchwendete, die Summe war zu groß für eine ſo kurze Zeit. Er konnte ſie nicht durchbringen. Und glaube mir, er holte tief Luft und ſeine Brauen zogen ſich noch feſter und finſterer zuſam⸗ mendu weißt, ich habe keinen Grund von ihm gut zu reden oder zu denken, aber was wahr iſt, muß wahr bleiben! Rechnen konnte er wir haben's erfahren! Und Kaufmann war er ſo gut wie nur einer, glaub's mir! Ueber ein Beſtimmtes iſt er nicht hinausgegangen, mag er geweſen ſein, wo er will, und was er auch getrieben hat. Das muß her⸗ aus. Philibert, weiß ich, kommt hie und da mit dem jungen Stolzenburg zuſammen, er muß anhorchen.

Indem erſchien der Diener mit dem Thee und ordnete das Service auf dem Tiſch. Roos blieb ſchweigend auf ſeinem Platz. Der Bürger⸗ meiſter bereitete ſich eine Taſſe.

Ja, wenn du ſchon hiervon ſolch Weſen machſt, ſprach Neubank, nachdem der Diener gegangen und er die halbgeleerte Taſſe niedergeſetzt hatte,was wirſt du dann erſt zu dem Folgenden ſagen! Ich habe abſicht⸗ lich nicht davon geredet, weil ich's für dummes Zeug halte; nun mag's aber auch heraus. Vor etwa vierzehn Tagen iſt aus einem Hauſe in der Johannisſtraße auf der Polizei ein Fremder angemeldet worden, der ſich Weſtritz nennt und ſich laut ſeines Paſſes hier auf der Bibliothek beſchäf⸗ tigen will; er kommt aus Kopenhagen. Weil er, ich weiß nicht worüber, noch Auskunft geben ſoll, wird er aufs Polizeiamt beſchieden, meldet ſich jedoch unwohl. Man ſchickt ihm darauf den Sergeanten Neufert hin, der mir, wie du weißt, aus alter Anhänglichkeit jeden Morgen ſeinen Beſuch macht und Stadtneuigkeiten erzählt. Und der berichtet mir am folgenden Morgen nach langen Umſchweifen und nachdem er mir das eben Erzählte mitgetheilt, er wolle es mir nur ſagen, wenn Herr Florentin van der Roos noch lebe, ſo müſſe es dieſer Weſtritz ſein. Solche Aehnlichkeit habe