26 Das Haus van der Roos.
Der Bürgermeiſter brachte ſeine Pfeife wieder in vollen Brand und ſtrich mit der Rechten über ſeine Haare.„Auch deßwegen bin ich gekom⸗ men,“ ſagte er.„Ich habe heut Frohdorf für ihn gekauft, denn ich mußte mich nun entſchließen; morgen hätte es ein anderer gehabt. Ich habe alſo bis Antoni die erſte Zahlung zu leiſten, und wie du wiſſen kannſt, ſind die meiſten meiner Kapitalien bis dahin nicht mehr zu kündigen. Ich ſelbſt kann nur ungefähr die Hälfte ſchaffen und muß das andere ſonſtwo auf⸗ nehmen. Kann ich auf dich rechnen?“—„Wie viel?“—„Etwa 15,000 Thaler.“— Der Handelsherr zog ein Blättchen Papier aus der Leder⸗ unterlage auf dem Pult und machte mit dem Bleiſtift eine Notiz darauf. „Auf wie lange?“—„Auf ein Jahr.“—„Abgemacht,“ ſagte er ruhig und ſchob das Blättchen unter einen Briefbeſchwerer.„Und nun genug der Geſchäfte— oder haſt du noch was?— Nicht?— Nun, was gibt's ſonſt? Ich komme nicht aus dem Hauſe und erfahre nichts mehr aus Stadt und Verwandtſchaft.“
„Ja, lieber Gott, was ſoll ich dir erzählen!“ verſetzte der Alte und dehnte ſich behaglich.„Da paſſirt nichts, weder in Stadt noch Verwandt⸗ ſchaft. Beiläufig vielleicht,— die Stadt wird nun zum Sommer doch wohl den Hafenbau aufnehmen müſſen, wenn nicht alles zu Grunde gehn ſoll. Freilich, es wird uns theuer werden, denn vor der Regierung, weißt du, können wir ganz verſumpfen; die rührt keinen Finger um uns. Und wir brauchen ſo ſchon Geld genug; es iſt, als ob ſeit einiger Zeit der Teufel in den Leuten ſtecke; unſere alten Wechſel werden einer nach dem andren gekündigt. Und dabei fällt mir ein,“— er ſetzte ſich aufrecht und ließ einen Augenblick die Pfeife aus dem Munde,—„Wetter, wie kann man ſo vergeßlich ſein!— Denke dir, Florentins Wechſel, den er damals auch auf den alten Stolzenburg übertragen ließ, iſt jetzt von demſelben plötzlich gekündigt. Die Friſt iſt ſeit zwei Jahren ſchon abgelaufen, wie du
weißt. Iſt das nicht kurios?“
Roos war bei dem Namen Florentins aufgefahren und hatte die. Cigarre aus dem Munde genommen. Seine Stirn war geröthet und ſeine blauen Augen brannten mit einem ſo eigenthümlichen Feuer, daß ſie wirklich, dunkler erſchienen.„Nun,“ ſprach er tief aus der Bruſt empor,„ſtehſt du, wie recht ich vordem hatte, wenn ich behauptete, daß wir ihn noch nicht los wären? Wenn er erſt verräth, daß er überhaupt noch lebt, wird er bald mehr von ſich hören laſſen.“— Neubank ſchüttelte den Kopf.„Ich kann mich


