Jahrgang 
1 (1857)
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Von Edmund Hoefer. 25

dazugekommen, ſich augenblicklich vor deſſen Augen wieder ſeine Ruhe zu erringen vermocht. Daher kam es, daß er in der Welt für einen unerſchütterlichen und durch und durch gleichmüthigen Mann galt und wegen dieſer ſeiner Ruhe und Geiſtesgegenwart, wegen dieſer Siegesgewiß⸗ heit, möchte man ſagen, bewundert wurde.

Auch jetzt ſaß er ruhig wie gewöhnlich und als ob nichts vorgefallen ſei, auf dem mit Leder bezogenen Stuhl vor ſeinem Pult, hatte das Kiſt⸗ chen herangezogen, das offen neben der Lampe auf dem obern Rande des Möbels ſtand, ſich ruhig eine Cigarre ausgeſucht, ſte abgeſchnitten und an⸗ gezündet und rauchte auf das allerbehaglichſte. Auf des Schwagers Frage blies er eine lange Rauchwolke von ſich und entgegnete:du haſt recht, es iſt dummes Zeug, und wäre es nicht zugleich ſo frech geweſen, ſo hätte ich darüber lachen können. Reden darüber mag ich nicht viel. Mit einem Wort: heut Morgen rückt der mir wildfremde Burſch ins Zimmer und erklärt mir, daß er Helenen zu heirathen wünſche, daß ſie nicht abgeneigt ſei, daß ich mich zu beeilen habe, die Sache in Ordnung zu bringen. So war's ungefähr, nur daß noch allerlei drum und dran hing, wie üblich. Meine Antwort war aber wirklich rundweg: nein, daraus wird nichts und adieu für immer. Darauf ging er ungnädig genug, und ich las Helenen die Leviten. Anſtatt aber entrüſtet zu ſein über dieſe Weiſe und mir dank⸗ bar für den ſchnellen Abbruch, ringt ſte die Hände über den Schmerz des

Armen, ſchmollt auf ihrem Zimmer und erklärt mich für den Härteſten

der Harten. Voila tout! Sie wird vernünftig werden, denn ſie iſt ſonſt nicht dumm.

Und Magdalene? fragte nach einer Pauſe der Bürgermeiſter. Hm! Er zog leiſe die Brauen zuſammen.Sie ſpricht ſich ſelten aus, weißt du. In Betreff dieſer Narrheit pflichtet ſte mir jedoch ſicherlich bei. Sogar Margarethe rief ja auf meinen Bericht: ‚abſcheulich!

So kann ich alſo gute Nachrichten nach Hauſe bringen, ſprach Neubank mit einem Seufzer.Deine Schweſter hat mir, ſeit ſie durch Anna die Nachricht erhielt, die Ohren voll genug lamentirt. Du weißt,

was die ſich in den Kopf geſetzt hat.Ja! Er nickte langſam mit dem Kopf.Euer Joſeph ſtände mir ſchon an. Meine Mutter will zwar gegen die Verwandſchaft ſprechen, aber das ſind Redensarten. Magdalene mag ihn auch, und Helene hat ſich ja ſonſt genug mit ihm verzogen. Wenn ſte ja ſagt und du ihm erſt ein Neſt bereitet haſt, ſoll's uns recht ſein.