24 Das Haus van der Roos.
ſte ſich darauf einrichtet.“ Und ihre Feder flog ſchon, als der Alte ſich ſeufzend abwandte und die Stube verließ.
Inzwiſchen waren die beiden Schwäger die Treppe hinabgeſtiegen und in das nach dem Hofe zu gelegene Kabinet des Handelsherrn getre⸗ ten; Neubank ſchien ſich hier noch behaglicher und heimiſcher zu fühlen, als droben, obgleich das Gemach ziemlich kahl und einfach war, mit grauer Tapete und nur den nothwendigſten, alterthümlichen Möbeln, und von einer ſolchen Höhe bis zur gewölbten Decke, daß das Licht der beiden Arbeitslampen den obern Raum nicht zu erhellen vermochte. Der alte Herr legte hier nicht nur Hut und Stock ab, ſondern zog auch den Ueber⸗ rock aus, den er droben anbehalten; mit gleichmäßigem Schritt ging er zum Pfeifen⸗ und Tabakstiſch in der Ecke am Fenſter, ſtopfte ſich dort eine Pfeife, zündete dieſelbe mit einem Fidibus bei der Lampe auf dem Sophatiſch an, ſetzte ſich bequem in die Ecke und blies den Dampf von ſich, und that das alles ſo behaglich, und ſummte dabei fort und fort die Melodie Gott weiß welches verſchollenen Walzers vor ſich hin, als ob er zu Hauſe ſei. Als er ſaß und ſeine Pfeife außer aller Gefahr ſah, wieder zu erlöſchen, auch die Lampe ſo gedreht hatte, daß er im Schatten war, ſagte er endlich:„nun alſo, was iſt das für dummes Zeug mit eurer Helene?“—
Der Handelsherr hatte längſt mit der ſeltenen Selbſtbeherrſchung, die er ſich in ſeinem langjährigen, oft dem jähſten Wechſel und den plötzlichſten Schwankungen ausgeſetzten Geſchäft angeeignet, alle Aufregung und Lei⸗ denſchaftlichkeit unterdrückt, die ihn bei der herben Scene im Zimmer ſeiner Frau ſo gewaltſam durchtobt hatte. Die Welt und auch ſeine eigenen Verwandten kannten dieſes tiefinnerſte Weſen des Mannes, den furchtbaren Jähzorn, die alles vergeſſende Heftigkeit wenig oder gar nicht, ſelbſt in ſeinen Comtoirs, in ſeinem Geſchäft hatte man davon nie mehr als einzelne Blitze geſehn. Denn da er ſelbſt einſah, wie viel er mit ſolcher Heftig⸗ keit ſich vergab, wie ſehr ſie ihn jedesmal in Nachtheil brachte, hatte er, wenn er ſie aufſteigen fühlte, ſich mit ſeiner letzten Kraft meiſtens in die Einſamkeit ſeines Kabinets zurückgezogen und in oft ſtundenlanger Abge⸗ ſchloſſenheit den Sturm vertoben laſſen. Nur im engſten Familienkreiſe hatte es ihn einigemale überraſcht, und es hatte dann jedesmal mancher Tage bedurft, um ihn und die Seinen das Gleichgewicht wieder gewinnen zu laſſen. Aber ſelbſt in dieſen Fällen hatte er, ſobald ein Fremder


