dem Fuß nieder, daß die Fenſter leiſe klirrten. Aber als hätte ſich in
28 Das Haus van der Roos.
er nie geſehn. Ich ſagte ihm, er wäre ein Narr, und das glaube ich auch. Roos— Vincenz,— wie kann dich dieſe Dummheit ſo alteriren!“ ſetzte er hinzu, als er den Schwager aufſpringen, ſich dann aber wie ſchwindlig mit beiden Händen auf das Pult ſtützen ſah. Seine Geſichtsfarbe wechſelte dabei von Leichenbläſſe in Purpurröthe.
Der Bürgermeiſter ſprang auf und ſetzte die Pfeife hin.„Um Got⸗ teswillen, Schwager— was iſt's?“ fragte er erſchrocken näher tretend. „Wetter— dir iſt unwohl,— ich will—.“—„Nichts, nichts!“ mur⸗ melte der Andre und raffte ſich augenſcheinlich gewaltſam auf.„Nichts— rufe niemand!“ fuhr er fort,„es iſt ſchon gut!— Alſo das!— Alſo darum! Darum dieſer— verfluchte Hochmuth! Dieſe— dieſe plötzliche Ueberhebung, dieſer Trotz, dieſe ganze Predigt von Edelſinn und Tyran⸗ nei!— O Satan!“ Er knirſchte mit den Zähnen und hob die Augen zur Höh und ſchüttelte die emporgeworfenen Fäuſte.„O Satan!— Aber nehmt euch in acht! Vincenz van der Roos lebt noch, und ich will meine Rache haben, und müßten wir alle daran verderben!“ Er ſtampfte mit
dieſem letzten Ausbruch ſeine Heftigkeit erſchöpft, ſtand er dann plötzlich ruhig und einen Augenblick tief in ſich verſunken. Darauf warf er den Kopf auf, kreuzte die Arme über die Bruſt und ſprach finſteren Blicks: „Kein Wort von dem, was du eben hier gehört. Vergiß es jetzt, du wirſt ſchon einmal wieder davon erfahren.“—
Neubank war ganz blaß geworden.„Aber nochmals— um Gottes⸗ willen, Vincenz, was war das?“ fragte er.„Was bewegte dich ſo bei der dummen Nachricht? Ich kenne dich gar nicht ſo.“—„Und das ſollte mich nicht bewegen, wenn ich im ſelben Athem höre, daß der Bube noch lebt und wieder hier iſt?“ war die langſame, ſchneidend betonte Antwort. Er biß die Zähne zuſammen, und man ſah's, wie ſeine Fin⸗ ger in den Arm griffen mit krampfhaftem Druck.„Oh— ich— doch genug, genug! Es wird ſich finden.“ Er ging mit ſchwerem Schritt durch's Zimmer.
„Aber weßhalb glaubſt du, daß er da iſt? Weil der alte Narr eine Aehnlichkeit entdeckt? Weil der Mann den Namen Weſtritz führt?— Lieber Himmel— es laufen da ja in allen Nachbarſtädten zwanzig des Namens herum, weßhalb auch nicht anderwärts? Und es kann ja auch in Gottesnamen eine Art Aehnlichkeit da ſein; der Mann mag ja ſo gut,


