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Von Edmund Hoefer. 21
zornig:„was willſt du hier? Was wagſt du, frecher Burſch? Was haſt du zu horchen und dich einzudrängen?— Aber, ich ſeh's,“ fuhr er höhnend fort,„Art läßt nicht von Art! Sehn Sie ihn an, Madame, und leugnen Sie! Aber ich werde Kehraus machen, wie damals! Hinaus mit dir, Patron! Dich kann ich noch bändigen! Du haſt lange genug von deines Vaters Schweiß gelebt und lange genug Unſinn getrieben, ſtatt dein Brod zu verdienen. Es iſt genug damit. Geh hin und treibe, was du willſt, verhungre und verderbe. Mir gleich!— Auf mich rechne nicht— von mir haſt du nichts mehr zu erwarten, keinen Heller, keinen rothen Heller, ſo wahr ich Roos heiße!“ Er wandte ſich zur Thür.
Der Sohn war aufgeſtanden, blieb aber ſchweigend; die Mutter er⸗ hob ſich jetzt auch, ging nach dem Klingelzug und ſchellte. Und als ob man draußen nur darauf gewartet, ward die Thür faſt in dem gleichen Augenblick geöffnet, und der Diener erſchien mit der bereits angezündeten Lampe und ein paar Lichtern.„Der Herr Bürgermeiſter folgen mir auf dem Fuß,“ ſagte der alte Mann, indem er die Lampe zum Tiſche trug und dort niederſetzte,„Sie kamen grade die Treppen herauf.“— Zugleich öffnete ſich die Thür auch bereits auf's neue und ließ den Angekündigten herein, während Victor durch den Vorhang verſchwand, durch den er vor⸗ hin gekommen.
Der Eingetretene reichte Roos mit einem:„guten Abend, Schwager,“ die Rechte, küßte Magdalenen mit einem ähnlichen Gruß die Hand, legte dann Hut und Stock auf den Tiſch, knöpfte den Rock auf, ſtrich mit beiden Händen die dünnen grauen Haare glatt— alles ging in einer ruhigen, man möchte ſagen, geſchäftsmäßigen Weiſe ſeinen herkömmlichen Gang. Und ſelbſt, als er ſich dann langſam umſah, mit dem Kopf nickte und ſprach:„Wetter, es iſt wie immer behaglich bei euch; unſere alten Zimmer daheim wollen trotz alles Flitterkrams nie ſo warm und heimlich werden!“ — auch das klang, als ſei es hundertmal ſchon in gleicher Weiſe geſagt.— „Und bei euch ſelbſt iſt's juſt ſo,“ fuhr er fort.„Wetter, ſitzen die Leute da bis fünf Uhr im Dunkeln! Das iſt noch immer zärtlich wie ein Tau⸗ benpaar! Joſephine predigt mir auch oft genug davon; ſo was kam bei uns freilich nur im erſten Winter vor.“ Er lachte und ging händereibend auf und ab..
„Wie geht es daheim, Schwager?“ fragte Magdalene.„Ich hatte heut im Sinn zu Ihnen zu kommen; es kam aber Beſuch.“—„Danke!“


