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22 Das Haus van der Roos.
war ſeine Antwort,„es läßt ſich mit ihrem Huſten beſſer an als je; der Medicinalrath hofft auf einen recht erträglichen Winter. Und das kann uns ſchon recht ſein,“ fuhr er fort, indem er ſtehn blieb, die Brille auf die Stirn ſchob und mit einem ſchlauen Blick Magdalene und dann ihren Gatten ſtreifte, der ſich mit dem Rücken an den Ofen geſtellt hatte.„Wet⸗ ter— man hat ja vielleicht manche Feſtivitäten in Ausſicht— auch bei euch— was?— Ich habe ſo ein Vöglein ſingen hören.“—„Bah, es iſt ein Spottvogel geweſen,“ erwiderte Roos in großer Ruhe.„Wegen Narrheiten richten wir wenigſtens keine Feſte aus.“—„Nun, nichts für ungut,“ verſetzte der Bürgermeiſter, während er am Tiſch ſtehn blieb und mit den Fingern auf der bunten Decke trommelte.„Ich hörte es eben von meiner Alten und ſagt es ſo hin.“ Sein Blick ſtreifte wieder das Ehepaar.„Ihr ſeid verſtimmt, merk' ich. Was gibt's? Doch nicht das Verlobungsgerücht? Lieber Gott, wenn Eltern, die Töchter und Geld haben, ſich über dergleichen alteriren wollten, hätten ſie viel zu thun.“ „Nun, mit Unterſchied!“ gab Roos zur Antwort.„Doch es iſt nicht das allein, du kennſt ja unſer Hauskreuz.“—„Wollen Sie ſich nicht ſetzen, Schwager?“ fragte Magdalene dazwiſchen.—„Dank Ihnen, Frau Schwägerin; laſſen ſte mich nur ſtehn, Unſereiner ſitzt doch ſchon genug. Ich habe nachher auch noch ein paar Worte mit Roos zu ſprechen.— So, ſo, alſo das wieder! Mir war's vorhin auch ſo, als ſähe ich Victor dort in die Kammer gehn. Freilich, das iſt ein Kreuz mit dem Jungen! Ein ſo kluger, heller Kopf und ſo gar nicht vorwärts zu kommen! Er muß ja bald dreißig Jahre alt ſein und iſt nichts. Kann er ſich denn noch immer nicht entſchließen? Er muß doch ſelbſt einſehn, wie viel Schaden er ſich in den Augen aller vernünftigen Leute mit dieſem Leben thut—.“—„Du kennſt ihn ſchlecht, Neubank,“ ſprach der Handelsherr finſter.„In der Einbildung des Kopfes gelten nur ſeine brodloſen Künſte für etwas; wir andere Leute ſind ihm Narren und Philiſter.“—„Gehorſamer Die⸗ ner,“ verſetzte der Andere, indem ein feines Lächeln über ſein runzelvolles Geſicht glitt.„Wollen uns denn in Demuth unſere Philiſterei gefallen laſſen.“—„Ich habe ihm aber vorhin meine Meinung deutlich geſagt,“ fuhr Roos fort,„und ihm den Brodbeutel ein wenig höher gehängt. Wol⸗ len ſehen, ob ihn ſeine Betteleien ſatt machen.“—„Gratuliere, Schwa⸗ ger; ich hätt's in deiner Stelle längſt gethan. So was wirkt zuweilen wunderbar. Glauben Sie es nur, Frau Schwägerin,“ ſetzte er hinzu,


