Jahrgang 
1 (1857)
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Von Edmund Hoefer. 17

wenigſten thun. Haſt du, ſie unterbrach ſich mit den Worten:ich bitte dich aber innig, ſuche hierin nichts als die einfache Frage! Haſt du mit der Mutter geredet? Wenn mit irgend jemand würde das Kind doch mit der geſprochen haben.Mit meiner Mutter? Du irrſt dich, mein Schatz, und könnteſt dir das ſelbſt am beſten ſagen, denn du weißt wohl, daß bei der keine Billigung zu finden iſt für Liebſchaften, wo und wann ſolche ſtattfinden.

Er mußte mit den ſcharfen Worten eine empfindliche Saite berührt haben, denn ſelbſt jetzt noch, wo der Schatten des nun wirklich herein⸗ brechenden Abends das Gemach mit noch tieferer Dämmerung erfüllte, konnte man ſehn, wie ſte heftig zuſammenfuhr. Aber ſie richtete ſich ſogleich in der ganzen Größe ihrer noch in ihrem Alter ſchlanken Figur auf und indem ſie die Mantille feſter um die Schultern zog, wandte ſie ſich zum Fenſter zurück und ſagte mit bebender Stimme:Roos, das verzeihe dir Gott. Eine ſolche Unverſöhnlichkeit, eine ſolche Rache hätte ich nicht verdient, ſelbſt wenn es Wahrheit wäre, was du da ausſprichſt. Und es iſt nur ein bloßes Hirngeſpinnſt, ausgeheckt vom Mißwollen und fortge⸗ ſponnen von grundloſer Eiferſucht!

Er war ſtehn geblieben und hatte die Arme feſt über die breite Bruſt gekreuzt, ſein Kopf war aufgeworfen, ſeine Augen blickten unter den finſter zuſammengezogenen Brauen ſtarr auf ſeine Frau, und ſeinen Lippen ent⸗ fuhr jetzt ein ſcharfer, höhniſcher Laut.Das iſt der alte Ton und die alte Melodie, ſprach er dann.Wir vergeſſen das nicht, Madame, glau⸗ ben Sie's nur! Und wenn ich jahrelang ſchwieg, die alten Geſchichten bleiben hier er drückte die Fauſt gegen die Stirneund ſie bleiben dort neu, Madame! denn das verwindet kein Menſch, es müßte denn ein Cretin ſein. Sie hatte ſich in ihren Stuhl geſetzt und regte ſich nicht.Und du ſagteſt vorhin, daß du mir nie etwas verborgen, fuhr er fort, indem ſeine bei den letzten Worten tiefe und zornige Stimme auf einen Augenblick wieder ihren ſcharfen Klang annahm.Wähnteſt du wirklich, Thörin, daß ich vergeſſen? Wähnteſt du wirklich, ich wiſſe nichts mehr von Flo⸗ rentin? Sieh, ich habe den Namen verſchworen, ich wollte ihn nie wieder nennen und nie wieder hören! Und nun breche ich ſelbſt den Schwur. Aber ich thue es mur, um deinen maßloſen Hochmuth zu brechen, um dir deine ganze.

Er brach ſo plötzlich ab, als ob er feſ vor dem nächſten Worte Hausblätter. 1857. I. Bd. 2