Jahrgang 
1 (1857)
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16 Das Haus van der Roos.

glitt über ihr Geſicht.Ich dachte es mir, erwiderte ſie;du meinſt, es ſei das ein Complott zwiſchen uns geweſen, aber du könnteſt wohl wiſſen, daß Helene zu mir niemals darüber geredet.Es iſt ſchlimm genug, daß die Mutter nicht das Vertrauen ihres Kindes hat, unterbrach er ſie hart.Sei nicht ungerecht, Roos, bat ſie.Gott weiß, daß ich ihr ehrlich und liebevoll nachgegangen bin, daß ich ihr ſtets meine volle Liebe nachtrug; aber ſie hat ſich mir ſtets entzogen.Du wollteſt ſagen: ‚man hat ſie mir entzogen! Ich kenne dich, ſagte er und wandte ſich kurz ab, um ſeinen Gang durch's Zimmer wieder aufzunehmen.Du weißt, ich geſtatte keine Verdächtigungen, am wenigſten gegen meine Mut⸗ ter.Roos, verſetzte ſie wehmüthig,wie nehme ich dir nur dies Mißtrauen? Ich dachte ja nicht an ſo etwas! Ich beklage ja heut ſo tief, wie vor dreißig Jahren, daß deine Mutter mich ſo fern von ſich hält. Sei gut, Vincenz, fuhr ſie fort und trat aufſtehend zu ihm.Sage mir, wie nehme ich dir dieſes Mißtrauen? Er war bei ihren Worten einen Augenblick ſtehn geblieben, jetzt wandte er ſich ohne ein Wort wieder ab und ſchritt die Stube entlang.

Und du willſt mir ſagen, redete er nach einer Pauſe, ohne ſeinen Schritt anzuhalten,daß du und Margarethe nichts von dieſer Affaire gewußt?Gewiß, Vincenz. Margarethens Ausruf haſt du heut Morgen ſelbſt gehört.Ihr hättet nie bei ſeinen Beſuchen, auf den Bällen, in den Geſellſchaften etwas bemerkt? Denn das geht ja ſchon Jahr und Tag ſo fort, hat er mir kund gethan. Es iſt eine alte lange Liebe! Lieber Gott! Der Ton, mit dem er das ſagte, war ſcharf von Spott. Noch einmal, Roos, ich weiß nichts davon, gab ſie ruhig zur Antwort. Ich habe auch nichts gemerkt. Ich würde es ſonſt für meine Pflicht ge⸗ halten haben, mit Helenen und dann mit dir zu reden. Denn auch ich ſehe nichts in dieſer Sache, was zu billigen oder erfreulich wäre.Frei⸗ lich, warf er nach einer Pauſe hin,deine Aufmerkſamkeit wird durch Margarethe in Anſpruch genommen. Von der wüßteſt du's, Helene geht dich nichts an.Und wäre das ſo, wie es aber nicht iſt, antwortete ſte feſter als bisher,ſo, dächte ich, würde es nur natürlich ſein. Jede Mutter wird das Kind beſſer beachten und kennen, welches ſich ihr liebevoll hingibt. Doch wir wollten ja davon nicht weiter reden. Genug, ich weiß von Helenens Angelegenheit nichts. Ich habe dir bisher nie etwas verborgen, was uns und die Unſren betraf, und würde es hierbei am