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Von Edmund Hoefer. 15
Zweites Kapitel. Eltern und Kinder.
„Was denkt ſich das Mädchen eigentlich? Meint ſie mich durch Trotzen und Schmollen umzuſtimmen? Glaubt ſie, ich werde den Komödien⸗ oder Romanvater machen, der erſt Himmel und Hölle verſchwört und mit ſeiner Feſtigkeit renommirt, bis er ſchließlich doch zu Kreuz kriecht? Iſt ſie närriſch oder bin ich's, daß man ſo etwas mit mir verſucht und auf ein Gelingen hofft?“ Er hatte die Hände auf den Rücken gelegt und ging durch's Zimmer mit feſtem, gleichmäßigem Schritt, in ſtarrer, gerader Haltung, ohne den Kopf zu drehen, ohne die Augen umherſchweifen zu laſſen. Und die kurzen Sätze ſeiner Rede ſchloſſen ſich in ſo ſcharfer, man möchte ſagen, unerbittlicher Weiſe an einander, daß niemand auch nur ein Wort einzuſchieben vermocht hätte.
Im Zimmer dämmerte es; draußen war der Herbſttag von einer ſo trüben und nebelvollen Gräue, als ob der Abend nicht mehr fern ſei; und in dem weiten Gemache dunkelten auch noch die tiefblauen Tapeten und die ſchweren ſeidenen, ähnlichgefärbten Vorhänge vor den tiefen Fenſter⸗ niſchen. Von dem Blumengrunde des Fußteppichs war wenig zu erkennen, und das Gold der Gemälderahmen an den Wänden, des ſchweren Kron⸗ leuchters in der Mitte der Decke und der Lampetten über und neben dem Piano zeigte ſich ſchon jetzt in einem eigenthümlichen, zweifelhaften und
gleichſam nur hie und da aufzuckenden Glanz. Und es regte ſich nichts,
weder auf der Straße, noch im Hauſe oder Zimmer; ſelbſt der Schritt des ſtarken ſtattlichen Mannes war auf dem Teppich zu einem matten Klange
gedämpft.
„Aber ich bitte dich, Roos, mache aus der Sache nicht mehr, als ſte iſt— eine Kinderei,“ ſagte endlich die Dame, welche auf dem Lehnſtuhl in der Fenſterniſche ſaß und bisher ſchweigend den von einer kleinen Haube umfaßten Kopf in die Hand geſtützt hatte.„Glaube mir, Helene wird zur Einſicht kommen, ſte muß verletzt ſein durch dieſen Schritt—.“—„Durch einen Schritt, den man verabredet hat?“ fragte er ſcharf, indem er ſtehen blieb.„Sollte ich dumm genug glauben, es ſei anders geweſen?— Aber wenn ihr glaubt, mich auf ſolche Weiſe überrumpeln zu können, irrt ihr euch. Gott ſei Dank,— ich ſteh!“
Sie ſchüttelte leiſe den Kopf, und ein ſanftes, ſchwermüthiges Lächeln


