Von Edmund Hoefer. 13
So lange hatte ſich der Bürgermeiſter gehalten, wie ſchwer er auch durch des jungen Mannes Weigerung und dieſen gänzlich unerwarteten Ausgang getroffen ward. Als er allein war, ſah ihn ſein erſter Hand⸗ lungsdiener, der bei der Verhandlung zugegen geweſen, noch einen Augen⸗ blick ſtarr und unbeweglich am Tiſche ſtehn und dann plötzlich und lautlos zuſammenbrechen. Auf den Hülferuf des erſchreckten Dieners ſtürzten die Tochter und andere Hausgenoſſen herbei; man brachte den alten Mann ins Bett und lief nach Aerzten. Aber wenn der Erkrankte auch wieder er⸗ wachte und zur Beſtnnung kam, ſo blieb er doch von dem Anfall gelähmt und fühlte ſich, auch ohne den Ausſpruch der Aerzte zu wiſſen, dem Tode verfallen.
In dieſem Zuſtande beſchäftigte ihn die durch ſeinen Eigenſinn gefähr⸗ dete Zukunft ſeines Namens und Geſchäfts auf das qualvollſte; der Anblick ſeiner ſchweigend tragenden, bleichen Tochter, das Zureden und der Rath der Freunde, denen er ſich entdeckte, die Ausſicht endlich auf das Aufſehen und den Makel, welcher durch dieſe gelöste Verbindung ſeinem Kinde er⸗ wachſen müßten, thaten das Ihrige hinzu. Und ſo entſchloß er ſich, Phili⸗ bert van der Roos noch einmal rufen zu laſſen und eine Verſtändigung mit ihm zu verſuchen. Um beiden Theilen gerecht zu werden, war der Vorſchlag Balthaſars, ſolle der junge Mann beide Namen vereint fort⸗ führen. Philibert, der ſeine Braut wahrhaft liebte und den Wunſch des
Altten billig fand, ſchlug herzlich ein, und als das Paar von der Trauung
in der Marienkirche zurückkam, empfing es den vollen Segen des Ster⸗ benden.
Und ſeit der Zeit ruht das Wappen der Weſtritz, der ſchwarze Thurm im rothen Felde, erſt recht feſt an ſeinem alten Platz in der Thürwölbung, und der Schild der van der Roos, eine rothe Roſe auf ſilbernem Grunde, hängt dicht darüber unter dem mittelſten Fenſter des Hauptgeſchoſſes. Das Geſchlecht der Weſtritz van der Roos war und blieb das erſte der Stadt, und der Ruhm der Firma anerkannt in allen Handelsplätzen der Erde und ohne Makel bis auf die neuſte Zeit. Durch alle Noth und alle Kalamität, welche die Stadt betroffen, hatten ſte ſich ruhmvoll und ſiegreich durch⸗ gekämpft, und zu der Zeit, wo dieſe Geſchichte ſpielt, war das Haus das einzige auf dem Platz, welches noch den Großhandel im vollſten Sinne des Worts betrieb und in voller Ebenbürtigkeit neben den großen Firmen ſtand, die inzwiſchen an andern Plätzen aufgetaucht waren.


