—
—
———
—
——
—
12 Das Haus van der Roos.
der dem alten Ruf ſeines Stammes und Geſchäfts in Antwerpen alle Ehre machte.
Unter dieſen Umſtänden war es wohl begreiflich, daß der Bürger⸗ meiſter Weſtritz, der den Mann inzwiſchen auch perſönlich lieb gewonnen, nichts einzuwenden hatte, als Philibert bei ihm um die Hand Margarethens anhielt. Es ſchien ihm in jeder Weiſe eine ſo paſſende Verbindung, daß er alsbald von Herzen einwilligte, und um ſo lieber, da auch Margarethens Herz an dem kriegeriſchen Handelsherrn hing. Nur handelte der alte Herr gar zu klug, als er dem zukünftigen Eidam einſtweilen noch ſeinen Wunſch, oder vielmehr ſeine Bedingung in Betreff der Fortpflanzung ſeines Fami⸗ liennamens verſchwieg. Er kannte van der Roos als einen ſtarren und auf ſeine Famlie ſtolzen Mann und hoffte ihn am beſten zu ſeinem Willen zu bewegen, wenn er ihm denſelben ſo ſpät mittheilte, daß ein Zurücktreten nicht mehr gut möglich war. Als dieſe Mittheilung nun aber einige Tage vor der Hochzeit ſtatt fand, ward der Alte nicht wenig beſtürzt und erzürnt, da Philibert rundweg erklärte: das Geſchäft zu übernehmen und mit dem ſeinigen zu vereinen, ſowie in dem Hauſe am Güllendamm zu leben, ſei er gern und mit Dank bereit und werde den im Hinterhauſe lebenden Bal⸗ thaſar wie einen rechten Vater ehren; von einem Aufgeben ſeines Namens könne jedoch nie und unter keiner Bedingung die Rede ſein.
„Bedenkt Euch!“ ſprach Balthaſar mit mühſam unterdrücktem Zorn. „Mein Name hat einen guten Klang, wo Ihr darnach fragt; Jahrhun⸗ derte lang hat er ſo geklungen und darf nicht vergehn. Das würdet Ihr in meiner Lage ebenſo anſehn.“—„Und weil ich das thue,“ war die ruhige Antwort,„bleibe ich Philibert van der Roos; ich bin gleichfalls der Letzte dieſes ebenſo alten und edlen Namens und kann ihn nicht ver⸗ klingen laſſen.“—„Bedenkt Euch!“ ſagte Weſtritz nochmals und die Adern ſeiner Stirne ſtrotzten von Blut;„mein Kind, mein Geld und meinen Namen— oder nichts. Entſcheidet Euch.“—„Ich entſchied bereits, Herr Bürgermeiſter,“ verſetzte Philibert.„Eure Tochter wird Frau van der Roos oder nicht meine Frau.“—„Iſt das Euer letztes Wort?“ fragte Weſtritz hochaufgerichtet, aber der Tiſch, auf den er ſich ſtützte, bebte unter ſeiner zitternden, ſchweren Hand.—„Mein Wort iſt das eines Mannes,“ gab der Andere zur Antwort.—„So gibt es keine Hochzeit,“ klang es feſt aus des Alten Munde, und mit einem:„Sei es ſo!“ verließ Philibert Zimmer und Haus.


