Jahrgang 
1 (1857)
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Von Edmund Hoefer. 11

Zeitverhältniſſe aufgeben mußten. Zu den Familien, welche ſich zum Auf⸗ bruch rüſteten, gehörte auch die angeſehene van der Roos in Antwerpen. Der derzeitige Beſitzer, Engelbert van der Roos, hatte ſein Vermögen nach und nach realiſirt und durch den alten Handelsfreund Weſtritz in deſſen Heimat anlegen laſſen; denn dort wollte er ſich niederlaſſen. Zum Auf⸗ bruch fertig ſchickte er ſeine Schweſter und einen jüngeren Bruder, Phili⸗ bert, an Bord des heimlich ausgerüſteten Schiffs, während er ſelbſt ſeine Braut abzuholen ging, die drüben erſt ſeine Frau werden ſollte. Er traf das Mädchen der brutalen Zudringlichkeit eines Spaniers ausgeſetzt und erſchlug denſelben bei dem darüber entſtandenen Streit. Von herbeieilen⸗ den Kameraden des Todten ergriffen, ward er eingekerkert und alsbald hingerichtet; ſeine Braut ſtarb ihm nach, ſei es an den Mißhandlungen, die ſie erlitten, ſei es vor Schreck und Gram über das Geſchick des Ver⸗ lobten. Dies alles mußten die Geſchwiſter im Hafen erfahren, wo ſie des Bruders harrten. Da ließ Philibert die Schweſter mit dem Schiffe vor⸗ ausgehen und ſchloß ſich ſelbſt dem Heere der Patrioten an, um im Blute der Spanier ſeine heiße Rache zu kühlen. 3

Die Schweſter fand bei dem alten Weſtritz die gaſtfreundlichſte Auf⸗ nahme und in ihm ſelbſt den wackerſten und beſorgteſten Vormund und väterlichen Freund, auch als ſie nach einigen Jahren mit ſeiner Zuſtim⸗ mung einem Gatten folgte und an deſſen Seite glücklich fortlebte. Von Philibert erfuhr man dagegen wenig oder nichts, bis er nach ſechs vollen Jahren ploͤtzlich im Hauſe des alten Handelsfreundes anlangte. Aus dem faſt noch unerwachſenen jungen Menſchen war ein frühgereifter, ernſter und ſtarrer Mann geworden, deſſen von Wunden zerriſſener Körper jedoch die Strapazen des Kriegslebens nicht mehr ertrug, ſo daß er ſich wohl oder übel zur Ruhe ſetzen mußte. Aber ſein Geiſt war nicht geſchwächt, ſein Rachedurſt nicht geſättigt. Kaum hatte er ſich einigermaßen erholt und mit dem unverwüſtlichen, ſtrebſamen Sinn des ächten Kaufmanns ein neues Geſchäft begründet, ſo rüſtete er auch bereits ein Schiff mit Mannſchaften und Kriegsbedarf aus, um es ſeinen ſtreitenden Brüdern zu Hülfe zu ſchicken. Und es war, als ob der Himmel dieſes treue Streben für das Vaterland ſichtbar ſegnen wollte; Philiberts Geſchäft nahm ſogleich einen großen Aufſchwung und den beſten Fortgang; ſeine Schiffe brachten nicht allein dem alten Heimatlande Vortheil, ſie thaten auch dem Feinde empfind⸗ lichen Abbruch, und ſein Name hatte bald wieder einen Klang gewonnen,