8 Das Haus van der Roos.
zeigt ſich in der etwa fünfzehn Schuh hohen, gegen die Straße ein wenig zurücktretenden Mauer ein ſogenannter Thorweg, durch welchen man, ohne das Haus ſelbſt zu betreten, zu dem dahinter liegenden Hofe mit den eigentlichen, größeren Speichern gelangen kann. An dem Erker hat die Phantaſie des Meiſters augenſcheinlich geſchwelgt, da haben Maurer und Steinmetzen gewetteifert, ſeine Pläne zu verwirklichen. Denkt euch das Schönſte, was die alten Bauwerke unſeres Vaterlandes aufzuweiſen haben, und ſchreibt es kecklich dieſem kleinen Erker zu. Ihr gebt ihm nicht zu viel. Und wie häßlich, armſelig und langweilig die herunter gekommene Stadt ſonſt auch dem Fremden erſcheinen mag, der Anblick dieſes prachtvollen Denkmals früherer Kunſt iſt geeignet, alles wieder gut zu machen und einen Aufenthalt in der Stadt lohnend erſcheinen zu laſſen.
Was nicht wenig zu dem Eindruck beiträgt, den der alte Bau macht, iſt die zu dem ganzen Aeußern paſſende Färbung. Die Mauern ſind nie mit Mörtel beworfen worden und bieten daher überall die einförmige, ſatte, tiefbraune Farbe, welche, ſchon an und für ſich den Ziegeln des Mittel⸗ alters eigen, ſich durch den Hauch der vielen Jahre hier noch tiefer und gleichförmiger zeigt. Nichts Grelles oder Abſtechendes i*ſt ſichtbar; nur die Fenſter und Luken ſind an der Bogeneinfaſſung mit laſirten Steinen um⸗ geben; ebenſolche Ziegel ziehen ſich auch in manchen Hohlkehlen und ſon⸗ ſtigen Verzierungen durch den großen Giebel ſowohl, wie durch den des Erkers; aber die Laſur iſt ebenſo dunkel wie das geſammte Mauerwerk, hie und da auch abgeſprungen oder erblindet, und ſtört alſo nirgends. Ueberhaupt iſt an dem Gebäude niemals viel geändert worden, ſei es, daß ſeine Beſitzer es aus Gleichgültigkeit ſo gelaſſen, ſei es, daß ſie mit einem gewiſſen patriciſchen Hochmuth am Alten hingen, ſei es endlich, daß ſich in ihnen wenn auch nur eine Art von Verſtändniß geregt hat, wie ſchön und ehrwürdig das alte Haus ſei und wie ſehr es durch jede Neuerung verunſtaltet und geſchändet werden müſſe. So iſt alſo eigentlich nichts geſchehn, als daß man die Fenſter der beiden bewohnbaren Geſchoſſe ſtatt der kleinen runden mit großen hellen Glasſcheiben verſehen hat, während jedoch die gemauerte Einfaſſung und die Steinverzierungen in den Spitz⸗ bögen dieſelben blieben. Im Erker ſind aber auch noch die alten Scheiben erhalten und zeigen ſich mit farbigen Wappen und Bildern aus der Heili⸗ gengeſchichte vollſtändig friſch und unverſehrt. Der tiefgewölbte Eingang des Hauſes wird ebenfalls noch immer von den alten maſſiven Eichenthüren
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