Jahrgang 
1 (1857)
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Von Edmund Hoefer. 7

Fenſter, welche wieder durch faſt ebenſo breite Zwiſchenwände von einan⸗ der, von der Thür in der Mitte und von den Endſeiten geſchieden ſind. Dieſe ganze Fläche des Erdgeſchoſſes zeigt neben der Thüre nur die einfachen Fenſtereinſchnitte ohne weitere Verzierungen, als daß um dieſe ſämmtlichen, ziemlich ſpitz gewölbten Oeffnungen ein mit halbrunden Steinen gemauerter Rand hervortritt. Ebenſo ziehen ſich auch um die fünf Fenſter des dar⸗ überliegenden Geſchoſſes die gleichen, einfachen Bogen, und im Uebrigen iſt dieſe ganze breite und ſchwere Maſſe des alten Hauſes im ſchlichten, aber feſten Mauerwerk errichtet, ſicher genug gegen die Jahre, welche die Zeit darauf häufen mag, und gegen alle Laſten, welche die Menſchen hineinführen mögen.

Ueber dieſen beiden Geſchoſſen erhebt ſich dann aber der hohe, ſchlanke Giebel, in dem ſieben Reihen Luken übereinander von den unermeßlichen Boden⸗ und Speicherräumen zeugen, die das Gebäude in ſeinem eigenen Innern birgt. Rings zeigt ſich an ihm eine Fülle gothiſcher Verzierungen; ſchlanke Thürme und zierliche Zinnen, wunderfeine Zacken und Spitzen, leichte Bogen und anſcheinend phantaſtiſche Arabesken, alles hebt ſich ſo mannigfaltig, ſo zierlich, und trotz der Fülle und des Reichthums wieder ſo einfach, ſo klar und harmoniſch zur Höhe empor und ſchließt ſich in der höchſten Giebelſpitze zu einer ſo ſchönen Vollendung ab, daß die ſchwere Maſſe vor unſrem Auge gärzlich verſchwindet. Wir bewundern den Mei⸗ ſter, deſſen man muß ſagen: Geiſt und Seele dies Werk geſchaffen. Denn in dieſen tiefſinnigen und tiefinnigen Bauwerken des Mittelalters iſt mehr, als der Geiſt allein zu gewähren, zu ſchaffen vermagz es iſt auch das volle Herz darin, das tiefſte Gemüth, das Heiligſte und Erha⸗ benſte, was ſich im Menſchen regt, was ihn belebt. Und wir beugen uns vor der Idee, wenn man ſo ſagen darf, die ſich hier ſo rein, ſo kindlich fromm und glaubensvoll uns zu offenbaren ſcheint.

Was Kunſt und Künſtler jemals in dieſer Weiſe vermocht und er⸗ reicht haben, tritt euch an dem alten Hauſe in reicher Vollendung entgegen, denn es ſtammt aus der Zeit ihrer reinſten und ſchönſten Blüthe; in einem Balken des höchſten Dachgeſchoſſes findet ihr noch heute die Jahrszahl ſeiner Erbauung, und ſie lautet 1363. Aber wie reich und ſchön auch der thurm⸗ hohe Giebel iſt, er wird noch weit übertroffen von dem Erker, der an der rechten Seite des zweiten Geſchoſſes hervortritt, wo das Haus von dem nächſten Gebäude durch einen ziemlich breiten Raum getrennt iſt. Dort

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