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6 9 Das Haus van der Roos.
übergerauſcht ſein? Haben ſie nichts zurückgelaſſen in all den Niſchen und Ecken und Winkeln? Sind nicht zurückgeblieben von jenen geheimnißvollen Weſen, die ſich an den Menſchen, an eine Familie, an ein Haus ſchließen? In ſtillen, mondhellen Nächten ſchlüpfen und ſchleichen ſte dann durch die ruhenden Räume und ſchaffen und ſorgen. Unſere Vorfahren hegten einen guten Glauben: eine gute That rufe einen guten, die ſchlimme einen böſen Geiſt herbei, der nun mit der Familie vereint bleibe. Und was mag in dieſen alten Mauern alles verübt und geſchehen ſein, Gutes und Uebles, und niemand weiß mehr davon. Aber die Geiſter wiſſens noch und ver⸗ geſſen es in Ewigkeit nicht. Und wer das Auge hat ſte zu ſehen, und das Ohr ſte zu hören, der ſteht es in ſtillen Nächten leiſe vorbeihuſchen und hört es flüſtern von den alten Mären.—
Wollt ihr das alte Haus in ſeinem rechten Lichte ſehn und in ſeinem vollen Recht, ſo ſucht euch einen ſtillen, trüben Tag aus, wenn der Him⸗ mel ſich in ein einförmiges, ſanftes Grau kleidete. Oder wählt zur Zeit der Aequinoctien eine Stunde, wenn der Nordweſtſturm mit dumpfem Brauſen die Bergenfahrer⸗Straße herauffährt und ſich mit erſchütternder Gewalt auf den hohen, ſtolzen Giebel wirft, um die Zinnen heult, durch die Luken pfeift, mit den Windfahnen klirrt, und zurückprallt und wieder und wieder mit ohnmächtigem Grimmen herbeiſaust. Das iſt die Zeit! Da ſteht das Haus noch einmal wie damals, als die Bürgerſtürme es um⸗ brausten, ſo ruhig, ſo hart und feſt wie ein Fels, ernſt im Ernſt. Denn der Sturm ſcherzt nicht, aber in dieſen Mauern hat er gefunden, was ihm gewachſen iſt; die Eiſenſtangen droben, welche die Wetterfahnen tragen, mag er beugen, aber die Zacken ragen ſo keck und ſtolz wie je, und nicht ein Ziegel wird locker.
Da ſchaut es an— da ſteht's! Das iſt der Wahlſpruch dieſes alten Bau's, und ebendenſelben ruft euch der Wappenſchild entgegen, der ſchräg von dem nach außen ſich erweiternden Bogen der tiefen Thürniſche auf euch herunterſteht. Ein ovaler Schild, von reichem Laubwerk um⸗ geben, zeigt in zierlicher Steinhauerarbeit einen alten maſſiven Thurm und darunter ein flatterndes Band mit der Deviſe in gothiſchen Lettern: „Ich ſteh.“
Es iſt ein großes Haus, ja wie es in ſeiner Art und nach der ur⸗ ſprünglichen Anlage dieſer Gebäude vielleicht nicht größer zu finden ſein dürfte, denn es hat auf jeder Seite der großen Thüre zwei breite und hohe
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