Jahrgang 
1 (1857)
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Von Edmund Hoefer. 3

gingen meiſtens zu Grunde oder ſiedelten nach andern Plätzen über. Die Regierung vermochte der Stadt auch nicht wieder aufzuhelfen, da ſie ihre Aufmerkſamkeit und ihre Unterſtützung andern Orten zuwenden mußte, die nach dem endlich erlangten Frieden bereits kräftig emporblühten und mit voller Energie aufſtrebten, während die alte Stadt unverhältnißmäßi⸗ ger Mittel bedurft hätte, um nur überhaupt erſt wieder in Gang zu kommen. Und nichts verhieß hier einen wahren, lohnenden Erfolg, nichts verſprach einen neuen kraftvollen Aufſchwung, ein wirkliches reges, gedeih⸗ liches Leben. Sie ſchien unrettbar dem Verderben geweiht.

So war ſie zum Anfang der dreißiger Jahre unſeres Jahrhunderts zu einem armen und zugleich armſeligen Ort herabgeſunken, der in ſeinen verfallenden Ringmauern nicht mehr die Hälfte der Bewohner zählte, welche zu den Zeiten ihrer Macht dort gehaust. Es gab weite öde Plätze und nur halbbebaute Straßen, wo die Plätze der früher einmal abgebrannten Gebäude zwiſchen den noch ſtehenden oder wieder aufgebauten wüſt und kaum vom alten Schutt gereinigt lagen, oder zu Gärten umgearbeitet und gegen die Straße mit elenden, klaffenden und ſchiefen Bretterwänden ein⸗ gefaßt waren. Von alten ſtattlichen Gebäuden war wenig mehr zu finden, und die prachtvollen Kirchen und das alte mächtige Rathhaus fühlten ſich ohne Zweifel einſam und unheimlich genug zwiſchen all den armſeligen, häßlichen, nüchternen und geflickten Fachwerkbauten des vorigen Jahr⸗ hunderts. 3

Vom Fluß aus hatte ſich vor Zeiten ein Arm durch den Nordtheil der Stadt erſtreckt, wo damals die reichſten Handelsherren wohnten und zugleich auch ihre Speicher hatten. Die Straße oder vielmehr der Quai längs jenes Flußarmes hieß wegen des Reichthums ſeiner Bewohner der Güllendamm, und hat ſich dieſen Namen bis auf den heutigen Tag be⸗ wahrt, wenn auch längſt dort kein eigentlicher Reichthum mehr zu finden iſt, eben ſo wenig wie ſich noch eine Spur von dem Kanale ſelbſt zeigt. Im Anfang des vorigen Jahrhundert bereits bildete er nur noch ein Bett voll Schlamm und Moraſt, welches einige Sommer lang die ganze Um⸗ gegend mit ſeinen Ausdünſtungen verpeſtete. Damals warf ein auffliegen⸗ des Pulvermagazin das halbe hier gelegene Stadtviertel in Staub. An Wiederaufbauen dachten einſtweilen nur die wenigſten der am Leben geblie⸗ benen Bewohner; der Magiſtrat ſchritt aber zu einer der wenigen Verbeſſe⸗ rungen, deren ſich die Stadt unter ſeiner Obhut zu erfreuen hatte, er

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