2 Das Haus van der Roos.
zumal ſeit dem Auftreten der Reformation, vernichteten die Kraft und das Selbſtgefühl der Städte und ließen ſie ſich aufs neue und leichter unter die Herrſchaft der Fürſten zurückbeugen, deren Hand, wie ſie im Lande Ord⸗ nung und Gehorſam gegen das Geſetz erzwang, auch in ihren Mauern die Ruhe wiederherſtellte und die trotzigen Bürger dem Geſammtſtaat mit ſei⸗ nen Rechten und Pflichten zuordnete.
Jedoch waren mit der Macht und dem Selbſtgefühl, mit dem Bewußt⸗ ſein der Kraft auch die Energie und der Unternehmungsgeiſt der ſtolzen Bürger in Abnahme gekommen, der Handel hatte theils andere Bahnen eingeſchlagen, theils waren ihnen in emporblühenden anderen Staaten, in Rußland und England, in Schweden und Dänemark Konkurrenten er⸗ wachſen, die ſie nicht nur überflügelten, ſondern ſie noch obendrein überall verhinderten und zurückdrängten, ihnen ihre Gebiete verſchloſſen, die alten Privilegien ihnen nahmen. Dann kamen nach kurzer Ruhe, wo man kaum Zeit gewann ſich an die neuen Zuſtände zu gewöhnen und ſich in ihnen zurecht zu finden, nach dem Unabhängigkeitskriege der Niederländer, die unheil⸗ vollen Tage des dreißigjährigen Krieges, der alles vernichtete, was noch übriggeblieben von Handel und Wohlſtand. Brand und Plünderung, Einquartierung und Seuchen herrſchten in den Städten, legten ſie wüſt und entvölkerten ſie auf das furchtbarſte; alle Verhältniſſe wurden ausge⸗ renkt, alle Verbindungen zerſtört. Und es ward nicht beſſer. Die franzö⸗ ſiſchen Raub⸗ und Brandkriege wirkten auch in dieſen Gegenden nach; der nordiſche Krieg brauste wie ein wilder Sturm verheerend durch ſie ſelbſt hin; bis nach dem Hubertsburger Frieden gab es keine Ruhe, keine Gele⸗ genheit, ja keine Möglichkeit eines wirklichen, nachhaltigen Emporraffens, eines neuen Aufbauens. Und dann endlich ſtürmte die Revolution daher, und die friedloſen Tage im Anfang unſres Jahrhunderts warfen alles wiederum über den Haufen, was man kaum mühſam und ſchüchtern zu gründen begonnen hatte.
Von all dieſer Noth und all dieſen Calamitäten war unſre gute Stadt im vollſten Maße und vielleicht mehr als viele andere heimgeſucht worden. Mehr als einmal hatten große Brände ſie durchflammt, mehr als einmal war ſie allen Schrecken einer langen Belagerung und der endlichen Erſtür⸗ mung preis gegeben worden. Der Handel hatte ſich nie wieder ordentlich aufgerafft, der Hafen verſchlammte und verſandete, die Werfte, die Seiler⸗ werkſtätten verfielen und hörten auf, und die alten reichen Handelshäuſer


