Das Haus van der Noos.
Eine Novelle
von
Edmund Hoefer.
Erſtes Kapitel. Thurm und Noſe.
Eine Stunde von der See, an einem zwar kleinen, aber tiefen Fluſſe, ſo daß große Seeſchiffe mit voller Ladung ihn ungehindert hinaufgehn und an den Hafendämmen und unter den Speichern anlegen können, welche ihre Frachten aufnehmen ſollen, liegt an der Nordoſtküſte unſres Vater⸗ landes eine alterthümliche, nicht unbedeutende Stadt. Ihre Lage iſt ſo vortheilhaft und der Hafen ſo gut und ſicher, daß ſie mit jedem andern Handelsort Deutſchlands konkurriren könnte. Und in der That war ſte vor Zeiten ſo bedeutend und mächtig, daß ihr Name vor vielen andern glänzte, die ſte ſeitdem weit überflügelt haben; ſie war nicht nur ein Mit⸗ glied, ſondern auch eine Mitgründerin des Hanſebundes; ihre Stimme war von großem Gewicht auf den Bundestagen, ihre Schiffe waren auf allen Meeren zu finden, die Solidität ihrer Firmen und der Reichthum und der Stolz ihrer Handelsherren war nicht nur an allen ähnlichen Plätzen bekannt, ſondern ſogar ſprichwortlich geworden. Und dem Namen nach zu einer größeren Reichsſtandſchaft gehörig und dem Herrſcher unterthan, ſtand ſte in Wirklichkeit ſo frei und unabhängig da, wie nur eine der großen freien Städte des heiligen Römiſchen Reichs.
Inzwiſchen gerieth der mächtige Bund der Hanſe nach und nach in Verfall, in den mehr und mehr geſicherten und geordneten Zuſtänden des Landes bedurfte es weiter keiner Schutz⸗ und Trutzbündniſſe gegen die Friedensſtörer zu Waſſer und Lande; innere Unruhen und Parteiungen, „Hansblätter. 1857. I. Bd..
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