478 Der Kaiſerjäger im Paſſeyerthal.
Land ſo ohne Weiteres eingefallen waren, wieder daraus vertreiben, oder wir wären nicht der hohen Ehre, k. k. Soldaten zu ſein, würdig geweſen, das iſt gewiß. Sie wiſſen mit dem Feldzug von 1848 in Welſchland ſicher⸗ lich auch gut Beſcheid, und ſo brauche ich Ihnen die vielen einzelnen Schlach⸗ ten und Gefechte in demſelben nicht näher zu erzählen. Sakriſch gerauft haben wir uns nun damals, das iſt gewiß, und wo es am blutigſten zuging, da waren wir Tiroler Kaiſer⸗Jäger meiſt auch mit dabei und machten dem alten Ruf unſerer Tapferkeit gewiß keine Schande. Mancher Feind iſt da noch vor unſeren Stutzen gefallen, und die Welſchen hatten zuletzt keine geringe Furcht vor uns. Viel Geſchichten, die ſich für jeden, der das hohe Erzhaus Oeſterreich und ſeine Armee lieb hat, gar luſtig anhören, könnte ich Ihnen noch aus dieſem Feldzug von 1848 erzählen, wenn jetzt nicht die Zeit zu kurz dazu wäre, da Sie ja noch am Abend wieder nach dem Sand⸗ hofe zurückgehen wollen.
„Mir war es noch bisher ganz gut geglückt und außer den kleinen Flutſchern, die ich beim Ausmarſch aus Mailand erhielt, wie ich Ihnen ſchon erzählte, war ich bisher immer noch ohne Bleſſuren weggekommen, obſchon ich öfters im heftigſten Feuer war, wo die Kameraden rechts und links zu Boden ſtürzten. Bei einem heftigen Gefecht, das wir am 11. Juni bei einem Platze hatten, der Madonna della Corona heißt, ging die Sache aber ſchlecht. Eine Kugel von einem ſardiniſchen Berſaglieri, was ſakriſche Kerl ſind, die das Schießen auch nicht übel verſtehen, traf mich im linken Vorderarm und zerſplitterte den Knochen deſſelben ſo ſehr, daß der Arm bis zum Ellbogen, wie Sie ſehen, abgenommen werden mußte. Das war freilich ein großes Unglück, was mir unſer Gott geſandt hatte, doch mußte ich mich in ſeinen allhimmliſchen Willen ſchon fügen und that dies denn auch ohne Murren und Klagen. Im Kriege kann es ohne derartige Verwundungen nun einmal nicht abgehen, und wen es denn nun grade trifft, der muß es ſich gefallen laſſen.
„Wie ich nun aus dem Hoſpital mit einem Arm entlaſſen war, erhielt ich meinen ehrlichen Abſchied und eine kleine Penſiton von ein paar Gulden auf den Monat dazu. Auch für meine ſilberne Medaille bekam ich ja die halbe Löhnung und ſo konnte ich denn hoffen, daß ich mich zu Hauſe halbwegs gut durchſchlagen würde, wenn es freilich mit der Arbeit auch nicht mehr ſo recht gehen mochte. Sollte mir aber ein ganz unverhofftes Glück bald kommen, wofür ich unſerm Herrgott alle Tage noch inbrünſtig


