Von Julius von Wickede. 479
danken muß. Ein Herr Vetter von mir von Vaters wegen her war geiſt⸗ licher Herr in Brixen, hatte ſich aber bis jetzt gar nicht um uns bekümmert, ſo daß wir einander ganz aus der Kundſchaft gekommen waren. Wie der nun aber in der„Schützenzeitung“ geleſen, daß ich mir die ſilberne Medaille verdient, hat derſelbe ſolche Freude darüber gehabt, daß er mir in ſeinem Teſtament baare zweitauſend Gulden vermachte. Ein paar Monate darauf war er denn auch geſtorben, und wie ich mich in Meran bei der Bezirks⸗ hauptmannſchaft meldete, um meine weiteren Papiere zu holen, erfuhr ich, welche reiche Erbſchaft ich gemacht hatte. War das aber eine Freude, denn nun konnte ich doch hoffen, meine Vevi, die mir die ganzen ſechs Jahre durch treu geblieben war, endlich zur Frau zu bekommen. Und richtig, wie ich mich denn jetzt bei ihrem Vater wieder meldete und der meine ſilberne Tapferkeitsmedaille auf der Jope ſah und ich ihm die Papiere über die zweitauſend Gulden vor die Augen halten und ſagen konnte,„da ſchauts die mal an,“ da hatte er denn nichts mehr dagegen, daß die Vevi, die trotz meines fehlenden Armes mich doch noch haben wollte, meine Frau werden könne. Das war aber ein Jubel, als wir die Hochzeit feiern und der Herr Pfarrer in St. Martin uns mit einander trauen durfte. So was, das läßt ſich gar nicht mit Worten wieder ſagen, und wenn man auch ebenſo gut ſprechen könnte, wie ein geiſtlicher Herr auf der Kanzel.
„Nun traf es ſich denn bald, daß dieſer Berghof hier zu Kauf ſtand, weil der letzte Bauer darauf geſtorben war. Der Vater von meiner Frau gab außer der Ausſteuer noch an tauſend Gulden Mitgift und meine zwei⸗ tauſend Gulden dazu und etliche hundert Gulden auch noch, die von meinem Stellvertretergeld übrig geblieben waren,— ſo konnten wir uns denn vor fünf Jahren dieſen Hof mit den vier Ochſen und ſechs Kühen, die dazu ge⸗ hören, kaufen und an Zweidrittel von dem Kaufgelde gleich baar auszahlen. Meine Mutter nahm ich nun auch mit in das Haus, einen tüchtigen Knecht und eine Magd dazu, und ſo hab ich denn bisher ordentlich gewirthſchaftet und unſer himmliſcher Vater da droben hat mich vor jedem Unglücksfall noch gnädig bewahrt. In unſerm großen Kaiſerſtaat Oeſterreich gibt es gewiß viele Tauſende von glücklichen Menſchen, aber einen, der glücklicher und zufriedener iſt als ich, trotzdem daß ich nur einen Arm habe, ſoll gewiß nicht in demſelben gefunden werden,“ ſchloß der Bauer ſeine Erzählung.
Und wie nun gleich darauf ſeine Vevi, jetzt eine ſtattliche Frau mit klaren braunen Augen, den jüngſten Buben Anderl auf dem Arm, zu uns


