Von Julius von Wickede. 477
wie möglich fortſchleppten. So nahmen wir denn die zwei erſten von dieſen Welſchen aufs Korn und den Augenblick darauf lagen ſte ſchon am Boden. Da ſtutzten die andern denn doch ein bischen und wir hatten Zeit, unſere Büchſen wieder zu laden und noch mal dazwiſchen zu feuern, daß wieder zwei hinfielen. Wie nun die andern Kerle mit wildem Geſchrei auf uns losſtürzten, da hieß es die Haubajonnette vorne auf den Stutzen recht herz⸗ haft gebrauchen und das Leben zu retten, oder ſonſt doch ſo theuer wie möglich daſſelbe zu verkaufen. Das thaten wir denn auch, und da wir Beide ſtarke und flinke Burſche waren, ſo ſchlugen wir uns nach hartem Kampf glücklich durch dieſe Inſurgenten durch und kamen bei unſerer übrigen Ko⸗ lonne, wo der Feldwebel unterdeß auch glücklich angelangt und auf einen Munitionswagen gelegt war, wieder an. Ein paar leichte Streifwunden und Stöße und blaue Flecken hatte zwar jeder von uns bei dieſer Gelegen⸗ heit abbekommen, doch das durfte weiter nicht ſchaden, war doch der ver⸗ wundete Feldwebel von uns gerettet und ſo unſerem Kaiſer ein braver Soldat mehr erhalten worden. Das Beſte aber, worauf wir gar nicht gehofft hatten, kam aber noch nach. Unſer Herr Feldmarſchall Radetzky hatte von dieſer That gehört und wo der nur irgend wie ſeinen Soldaten eine Freude machen konnte, that er es gewiß. So bekamen denn der Seppel und ich jeder die ſilberne Medaille, die jetzt hier auf meiner Jope hangt, und ſehr feierlich in Gegenwart unſeres ganzen Bataillons, das dazu in Parade aus⸗ rücken mußte, ward dieſelbe uns vom Herrn Oberſten von Zobel, der dazu⸗ mal das Kaiſer⸗Jäger⸗Regiment kommandirte, übergeben. Was das denn für eine gewaltige Freude für uns Beide war, können Sie ſich wohl denken. Und doch mußt ich in derſelben Zeit, wo mir die Medaille auf die Bruſt geheftet wurde und der Herr Oberſt ſo ſchöne Worte ſprach, wie nur der Herr Pfarrer auf der Kanzel es kaum kann, ſogleich an meine Vevi denken. Könnte die doch in dem Augenblick dich ſehen, was für eine Freude würde die haben, daß ihr Bub mit ſo hohen Ehren ausgezeichnet iſt und des Kaiſers Tapferkeitsmedaille nun für ſein ganzes Leben vorne auf der Bruſt tragen darf! So groß auch ſonſt meine Freude war, machte mich der Ge⸗ danke, daß mein Veverl nicht mit Antheil daran nehmen könne, doch ganz traurig. *„Als wir denn erſt mit unſerm ganzen Heere glücklich bei Verona an⸗ gekommen waren, fing der Krieg erſt recht an. Mußten wir doch unſerm Kaiſer alle ſeine Städte wieder erobern, und die Sardinier, die in unſer


