Jahrgang 
1 (1856)
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476 Der Kaiſerjäger im Paſſeyerthal.

wohl viel hundertmal von ihnen allen gehört. Unſer Feldmarſchall Ra⸗ detzky, der ja am Beſten wiſſen mußte, was recht war, gab endlich den Be⸗ fehl, daß wir Mailand auf einige Zeit räumen ſollten, damit bei Verona alle k. k. Truppen, die noch in Italien ſtanden, ſich mehr zuſammenziehen könnten. Daß wir aber nochmals wieder zurückkommen und Mailand unſerm Herrn und Kaiſer für alle ſpäteren Zeiten ſicher erhalten würden, davon waren wir Soldaten bei unſerem diesmaligen Auszug feſt überzeugt.

In der Nacht auf den 22. März marſchirten wir denn endlich ab, und wenn ich ſagen wollte, daß dies eine vergnügliche Nacht für uns Sol⸗ daten geweſen wäre, ſo müßte ich lügen. Manchen guten Kameraden hatten wir in dieſen letzten Tagen wieder verloren und auch ſonſt ſehr viel durch⸗ gemacht, was einen Menſchen ſchon herunterbringen konnte. Ich ſelbſt hatte bei dieſem nächtlichen Ausmarſch aus Mailand doch aber noch ein großes Glück. Mit einem kleinen Trupp von uns Kaiſer⸗Jägern marſchirte ich in der äußerſten Nachhut und gehörte mit zu den letzten Soldaten, welche die Stadt verließen. Wir waren eben aus der Porta Comaſina heraus, als eine arme Feldwebelsfrau von einem böhmiſchen Regiment weinend uns nachgelaufen kam und ſagte, ihr Mann ſei am Fuße verwundet, ſo daß er nicht marſchiren könne, und liege nun in einem kleinen Garten⸗ häuschen, wo er in die Gewalt der Inſurgenten fallen und dann wohl von ihnen ermordet werden würde. Sie bat und jammerte ſo ſehr, wir ſollten doch verſuchen, ihn noch zu retten, daß ich und noch zwei andere Jäger von uns, was recht ſchneidige Burſche waren, dieſen Bitten nicht mehr wider⸗ ſtehen konnten. Wir liefen ſchnell wieder zurück zu dem Hauſe und es glückte uns auch, den Feldwebel herauszuholen, als plötzlich ein ganzer Haufen von dieſem welſchen Lumpengeſtndel mit wüthendem Geſchrei auf uns zugeſtürzt kam. Wohl an fünfzehn bis zwanzig Mann mochten es ſein und etwelche hatten Fackeln in den Händen und andere Aexte und Piken und alte Flinten, und ein Geſchrei und Getobe machten alle dieſe Lumpenkerle, als wollten ſie uns gleich beim lebendigen Leibe mit Haut und Haaren verzehren.

Den Welſchen dürfen wir unſern Böhmen nicht laſſen, die wären im Stande und drehten ihm gleich das Genick auf der Stelle um, laß uns alſo, wie es tüchtigen Tixoler Kaiſer⸗Jägern zukommt, ihn herzhaft verthei⸗ digen, Seppel, rief ich meinem Kameraden zu, der mit mir den Rückzug deckte, während der andere Jäger und die Frau den Feldwebel ſo ſchnell