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Von Julius von Wickede. 475
denn die Revolution ehe wir uns deſſen recht verſahen, und der Kampf in der großen Stadt Mailand, die mit ihren hohen Häuſern und vielen engen, krummen Straßen, die ſo ineinander laufen, daß man nur ſchwer aus ihnen herauszufinden vermag, ſo recht zu einer ſolchen Rebellion eingerichtet iſt, fing in ſeiner vollen Wuth an. Himmel Sackerment, gar ſchlimme Tage waren dies nun für uns kaiſerlichen Soldaten, und es galt jetzt wohl den Kopf oben zu behalten und zu zeigen, daß wir unſern Fahnen mit dem Doppeladler keine Schande machten. Hatten wir aber doch unſern alten Feldmarſchall Radetzky, den jeder von uns Soldaten faſt wie ſeinen leib⸗ lichen Vater liebte, in unſerer Mitte, und daß es uns durch den mit Gottes gnädigem Beiſtand am Ende doch gelingen würde, die ganze Rebellion zu unterdrücken, daran zweifelten wir trotz aller augenblicklichen Bedrängniß keinen Augenblick.
„Gar wir Tiroler Kaiſer⸗Jäger hatten eine Gallerie vom Mailänder Dom beſetzt, und von dort hielten wir mit unſeren Stutzen dieſe Inſurgenten ſchon in gehörige Entfernung. Als ich ſo das erſtemal auf einen Menſchen feſt anlegte und mein Korn ſcharf grade auf deſſen Bruſt gerichtet hatte, da wollte es mir faſt grauſelig vorkommen, ſo ein Mitgeſchöpf mir nichts, dir nichts niederzuſchießen. Da dachte ich aber, es ſei ein Revolutionär und ein Feind von meinem Kaiſer, dem ich als ehrlicher Soldat doch den Eid der Treue geſchworen hätte, und ſo drückte ich denn mit gutem Gewiſſen los und freute mich, wie der Kerl mit durchſchoſſener Bruſt ſogleich todt auf dem Pflaſter hinſtürzte. Ja, wo wir Tiroler Kaiſer⸗Jäger ſo recht mit unſeren Stutzen hinhalten, da treffen wir auch unſer Ziel, und wer uns vor das Korn kommt, der iſt auch geliefert, das weiß man im ganzen k. k. Heer. Später habe ich in Mailand und auch bei den andern Gelegenheiten, wo wir uns nur gegenüber ſtanden, noch manchen ſichern Schuß gethan, der gewiß ſein Ziel nicht verfehlt haben wird.
„Mehrere Tage hatten wir ſo in Mailand fortwährend uns herum⸗ gerauft und bei Tag und Nacht faſt keine Ruh gehabt und zuletzt auch nicht mehr recht Warmes zu eſſen bekommen, ohne daß unſer Muth auch nur im mindeſten dadurch geſchwächt worden. wäre. Wir Tiroler Kaiſer⸗Jäger hätten uns bis auf den letzten Mann herumgeſchlagen, wenn unſer Feld⸗ marſchall Radetzky es ſo befohlen, das weiß ich nun einmal gewiß, und auch bei unſern andern k. k. Regimentern war derſelbe Geiſt vorhanden, ſolches habe ich ſpäter, wann wir mit den Soldaten derſelben zuſammen kamen,


