474 Der Kaiſerjäger im Paſſeyerthal.
lernen mußte, kam es mir wohl mitunter a bisle hart an und es wollte mir nicht recht gefallen, daß ich jetzt in einer Kaſerne wohnen und den ganzen Tag in den engen Straßen einer großen Stadt ſein mußte und nicht mehr in unſern ſchönen Bergen herumſteigen könne. Bald aber fand ich mich denn auch in alles, denn war ich nun einmal ein Soldat des Kaiſers ge⸗ worden, ſo mußte ich auch meine Schuldigkeit thun oder ich wäre ja ein ſchlechter Kerl geweſen, der keine rechte Ehre im Leibe hatte, und das ſoll doch niemand von einem ächten Tiroler ſagen dürfen. So hab ich denn in den ſechs Jahren, daß ich die Ehre hatte, bei unſern Kaiſer⸗Jägern zu dienen, niemals auch nur die allergeringſte Strafe bekommen, und es iſt mir immer gut ergangen und alle meine Vorgeſetzten haben mich ſtets gern gehabt. Nur der Gedanke an meine Vevi wollte mir nie aus dem Kopf und ich war oft recht traurig darüber und habe viele Stunden lang an ſie gedacht, wenn ich Zeit dazu hatte und der Dienſt nicht darunter litt.
„Als ich ſchon an drei Jahre bei dem Regiment war, kam ein anderer Burſche aus St. Leonhard zu unſerer Kompagnie und der brachte mir einen ſchönen Gruß von der Vevi, und ſie ließ mir ſagen, ſie würde mir treu bleiben bis an ihr Lebensende und einen andern Mann nehme ſte nun ein⸗ mal nicht, das ſei gewiß, und wenn ſtie zuletzt auch in ein Kloſter gehen ſolle. Daß ich aber meinem Veverl auch ganz getreu blieb, das war doch auch nicht mehr als meine verfluchte Pflicht und Schuldigkeit, und mochten mich die hübſchen Mädchen in Welſchland mit ihren kohlſchwarzen Augen auch noch ſo viel anſchauen, von mir bekamen ſie keinen verliebten Blick wieder, das war ſicher. Bin ich öfters von meinen andern Kameraden, die auch ſo recht ihre Liebſchaften hatten, wie das ja bei den Soldaten der Brauch ſo iſt, darüber ausgelacht worden, und ſie nannten mich den ſteiner⸗ nen Jäger. Na, wenn ſie auch darüber lachten, ſte wußten es ja nicht beſſer und hatten doch zu Hauſe keine Vevi wie die meine war, die ihrer mit treuer Liebe harrte.
„So kam denn endlich der März 1848, wo unſer Bataillon grade in Mailand in Garniſon lag und der Aufſtand losging. Die Welſchen, die immer in den großen Städten auf den Straßen ihr Maul weit auf hatten und nichts als Lärm und Unruhe machten, die waren in der letzten Zeit zwar immer übermüthiger und frecher geworden, aber daß ſie die Sünde gar ſo weit treiben würden, gegen ihren rechtmäßigen Kaiſer und Herrn in offenen Aufſtand auszubrechen, trauten wir ihnen doch nicht zu. So begann


