Von Julius von Wickede. 473
was im Salzburg'ſhen liegt, dagegen gebrauchen und ſich auch ſonſt ein Jahr lang ſchonen, denn ſonſt würde ſie niemals wieder geſund werden. Der hatte wohl leicht reden, aber woher ſollte denn das viele Geld kommen,
was ſo eine Badreiſe koſten würde? So viel wir aber auch darüber ſannen
und ſannen, es ließ ſich keine Hülfe finden, und die Schmerzen der Mutter wurden von Tag zu Tage immer größer. Da erſchien mir denn eines Nachts, wie ich eben wieder ſo recht inbrünſtig für die Mutter gebetet hatte, die heilige Jungfrau Maria im Traum und gab mir einen guten Rath. Ich hatte mich nämlich vom Militär ſchon ganz frei gezogen, ſo daß ich nun für Geld eine Capitulation annehmen konnte. In Meran hatte aber ein reicher Bürgersſohn eine ſolche Nummer bekommen, daß er ſogleich als Soldat einrücken ſollte, und die Eltern wollten ihn nicht gern miſſen und boten an fünfhundert Gulden dafür, wenn jemand als Stellvertreter dafür einſtehen wolle. Das fuhr mir denn wie der Blitz durch den Kopf, ich dachte, die fünfhundert Gulden würden der Mutter in ihrer Krankheit gut thun und ſie könne dafür in das Bad gehen und ſich recht ausheilen laſſen. Dazu war mir das ganze Paſſeyerthal auch verleidet, ſeit die Vevi nicht mehr da war, und ich hatte keine rechte Freude mehr an unſern Bergen. So trat ich denn ſogleich als Stellvertreter ein, und die Herren von der Commiſſion nahmen mich gern an, denn ſie ſagten, ich wäre ein großer ſtattlicher Burſch, der ſchon zum rechten Flügelmann in der erſten Kompagnie paſſen würde. Der Mutter ließ ich aber einen ſchönen Gruß ſagen und ſchickte ihr die achtzig Gulden, die ich gleich baar als Abſchlagsgeld auf die Hand bekommen hatte, damit ſte ſich dafür von ihrem Gebreſte frei machen könne, und verſprach ihr auch, daß ſie all das andere Geld, das ich bekommen würde, richtig bis auf den letzten Kreuzer erhalten ſolle, wenn ſie es brauche. Und ſo ward ich denn Soldat und kam zu unſerm Tiroler Kaiſer⸗Jäger⸗Regiment nach Welſchland.
„Wer des Kaiſers zweifarbiges Tuch trägt und iſt nur ein braver Burſch, der thut, wie es ſich gehört, und kein grauslicher Lump und Diddl⸗ dapp, der braucht weiter keine vielen Sorgen zu haben, das wiſſen Sie ja ſelbſt. Seine warme Montur, die gut für Regen und Kälte iſt, trägt er auf dem Leib, wohnt in einer ſchönen Kaſerne, hat alle Mittag ſeinen guten Menagetiſch, wo er reichlich ſatt werden kann, und ſeine Löhnung und Brod bekommt er richtig zur Stunde. Im Anfang, als ich erſt das viele Exerciren und alles Andere, was dazu gehört, daß Einer ſo ein rechter Soldat wird,
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