Jahrgang 
1 (1856)
Einzelbild herunterladen

1 8

472 Der Kaiſerjäger im Paſſeyerthal.

und feſt uns verlobten und mit einander ausmachten, daß wir gar nicht heirathen wollten, wenn wir uns nicht bekommen könnten.

Dazu war aber leider wenig Hoffnung vorhanden, denn der Vevi ihr Vater war ein reicher Bauer, der eine eigene Alm und darauf wohl an dreißig Stück Hauptvieh hatte, that gewaltig ſtolz und vornehm und wollte nur einen reichen Schwiegerſohn für ſeine einzige Tochter, da er den Hof mit allem, was dazu gehörte, ſeinem Sohn übergeben mußte. Wie ich denn eines Sonntags nach der Kirche mir ein Herz faßte und zu ihm ging und bat, daß er mir die Vevi zur Frau geben möge, da begehrte er ſehr auf, nannte mich einen Lumpenkerl und Bettler, den er mit dem Hunde vom Hofe hetzen wolle, wenn ich noch einmal ſolche Sache vorzubringen wage, und was dergleichen grausliche Reden noch mehr waren. War nur ein Glück, daß mir noch zur rechten Zeit einfiel, es ſei der Vevi ihr leiblicher Vater, der dies ſpreche, ſonſt hätte ich den Kerl auf der Stelle niedergeſchla⸗ gen, da er es wagte, ſolche läſterliche Redensarten gegen mich im Munde zu führen. Wie mir da aber zu Muthe war, als ich mit ſolchem Beſcheid mich von dem Hofe wieder abtrollen mußte, kann ich Ihnen gar nicht ſagen. Der Schmerz, den ich fühlte, als 1848 mir die Feldärzte meinen linken Arm abſchnitten, war nichts dagegen, das weiß ich wohl. Etlichemal wußten die Vevi und ich es doch nun noch möglich zu machen, daß wir uns heim⸗ licherweiſe bei der Nacht ſehen konnten, und wir ſchworen uns dann noch⸗ mals ewige Treue und daß wir nie mehr von einander laſſen würden, möge kommen, was da wolle. Der Vater von der Vevi kam aber hinter ſolche Zuſammenkünfte und hat ſeine Tochter arg darüber gemißhandelt und dann zu einer Schweſter von ihm gebracht, die weit weg, bei Schwaz im untern Innthale wohnte, damit ſte mir da aus den Augen kommen und mich ſo vergeſſen lernen ſollte. Auch mir paßten ein paar Kerle, die der Alte dazu angenommen hatte, auf, als ich einſt von einer ſolchen Zuſammenkunft in der Nacht heimkehrte, und wollten mich recht gehörig ſchlagen. Die Lumpen kamen aber an den Rechten, denn ich war dazumal ein gar ſtarker und ſchmei⸗ diger Burſch und ſo ſchlug ich denn mit meinem Stecken ſo herzhaft auf ſie los, daß ſte bald genug hatten und davon liefen, ſo ſchnell ſie nur konnten.

Wie aber ein Unglück ſelten allein zu kommen pflegt, ſo geſchah es auch jetzt. Meine Mutter bekam die Gicht und wurde ganz preßhaft, ſo daß ſie weder ſitzen noch gehen konnte und erſchreckliche Schmerzen bei Tag und Nacht aushalten mußte. Der Doctor ſagte, ſte müſſe das Bad in Gaſtein,