470 Der Kaiſerjäger im Paſſeyerthal.
lahm geblieben iſt. Das war denn eine recht üble Sache, denn ſo einen rechten Arm mißt man ſchwer. Wärs noch der linke geweſen, wie jetzt bei mir, ſo möchts eher darum gehen, obſchon dies auch eine böſe Sache iſt, wie ich ja ſelbſt am beſten weiß. Freilich wenn der liebe Gott da oben ſolche Prüfung über einen Menſchen verhängen will, ſo muß er dieſelbe auch geduldig und ohne Murren und Klagen hinnehmen oder er verſündigt ſich ſchwer an ſeinem himmliſchen Schöpfer.
„Da nun mein Vater ſeinen rechten Arm nicht zur Arbeit im Wald und auf den Bergen, wie die anderen kleinen Leute es thun müſſen, ge⸗ brauchen konnte, ſo iſt es ihm nur immer ſehr kümmerlich gegangen. Das Häusle, in dem er mit meiner Mutter wohnte, war ſo klein und zerfallen, daß man ſchier hätte glauben ſollen, ein tüchtiger Sturmwind nehme das ganze Ding mal den Berg mit hinunter, und das Wiesle, das dazu gehörte, gab nicht ſo viel Gras, daß man eine Kuh davon halten konnte, ſondern reichte nur ſo eben zu zwei Gaiſen aus. So ſuchte mein Vater denn ſich mit Schweinetreiben für die reichen Viehhändler auch noch ein paar Kreuzer dazu zu verdienen, damit er die Mutter und uns vier Kinder immer ſatt machen könne. War daher ſelten zu Hauſe, ſondern viele Wochen im Jahr auf der Trift und holte die Schweine weit aus dem Bairiſchen her und brachte ſie nach Botzen und Meran, wo die großen Fleiſchmärkte gehalten werden. Und wie meine zwei älteren Brüder auch ſchon ſo Buben von vierzehn und fünfzehn Jahren geworden waren, da mußten ſie den Vater auf ſeinen Wanderungen begleiten, und da ſie auch Geld verdienten, ſo ging es uns in unſerer Hütte dazumal nicht mehr gar ſo ſchlecht. In einem Winter aber, wo der Vater und die zwei Brüder wieder aus waren und die Mutter alle Tage hoffte, daß ſie bald zurückkommen würden, ließen ſte ſich nicht wieder ſehen. Alle Tage ging die Mutter den Weg nach St. Leonhard hinunter und hoffte immer, daß der Vater mit den beiden Bu⸗ ben jetzt angegangen käme, und betete manchen Roſenkranz für ihre glück⸗ liche Heimkehr, allein ſte kamen doch nicht, der liebe Gott dort oben hatte es anders beſchloſſen.
„Vom Landgericht kam endlich ein Brief mit einem großmächtigen Siegel, und da ſtand darin, daß der Vater und die beiden Buben als Leichen auf der Straße über das Wormſer Joch gefunden wären. Eine Lahne (Lawine) hatte ſie in den Abgrund geriſſen, ſo daß ſie auf der Stelle ihren Tod gefunden hatten. Das war denn eine gar traurige Nachricht


