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Von Julius von Wickede. 469
ein gutes Stück geſelchtes Schweinefleiſch dazu gebracht, während der Wirth eine Maß rothen Tirolerwein, etwas ſauer und herbe zwar, aber für die ſchwere Nahrung grade paſſend, aus dem Keller herbeiholte. Wir ließen es uns denn auch ſo ſchmecken, daß die geſchäftige Wirthin, welche die Bedie⸗ nung beſorgte und auf all mein Anfordern nicht zu bewegen war, am Tiſche mit Platz zu nehmen, immer behauptend, es ſchicke ſich dies nicht, ſchon ihre Freude an unſerem guten Appetit haben konnte. Weiß ich mich doch kaum zu erinnern, daß es mir jemals an einer fürſtlichen Tafel beſſer geſchmeckt hätte, als jetzt hier oben im einſamen Berghofe des hintern Paſſeyerthales.
Und wie wir nun nach beendeter Mahlzeit uns etwas auf der Holz⸗ bank, die unter dem einen Föhrenbaum angebracht war, von wo aus man die weiteſte Ausſicht nach allen Seiten hatte, hinſetzten, um ein paar Stünd⸗ lein der Verdauung zu pflegen, und die Bauersfrau uns einen Kaffee ge⸗ kocht hatte, leider nach übler Tiroler Sitte, ſtark mit gebrannten Feigen verſetzt, da fing denn auch auf meine Bitte der frühere Soldat an, mir ſeine Lebensgeſchichte zu erzählen. Sie war zwar ziemlich einfach, aber ich hörte ſie doch mit großem Intereſſe an, und da vielleicht ein Gleiches auch für manche der Leſer der Fall ſein dürfte, ſo will ich die ungeſchminkte Wiedererzählung derſelben hier verſuchen.
„Schauen's,“ fing er an, nachdem er ſich ſeine kleine kurze Holzpfeife erſt von friſchem geſtopft hatte,„nicht weit von St. Leonhard, das Sie da unten ſo hell liegen ſehen können, da bin ich in einem elenden Berghäuſel geboren. Nur kleiner Leute Kind bin ich, und hart und ſchlecht mußten meine Eltern ſich durchbringen. Mein Vater, der war 1809 mit dem Anderl Hofer vom Sandhofe auch gegen die Franzoſen gezogen, wie dieſe unſerem hochſeligen Kaiſer Franz das Tiroler Ländle, das doch nun ſchon lange hundert Jahre zu unſerm hohen Erzhaus Oeſterreich gehört, fort⸗ nehmen wollten. Da hat denn auch mein Vater ſakriſch ſich mit herumge⸗ rauft und mit ſeinem Stutzen gewiß manchen Feind niedergeſchoſſen. Ja, wo wir Tiroler Jäger mit unſeren Stutzen erſt ſo recht draufhalten, da treffen wir auch, und allzuviel Pulver und Blei verknallen wir gewiß nicht unnütz, das iſt nun ſchon von alten Zeiten her immer ſo geweſen und wird auch, will's Gott, für alle Zukunft ſo bleiben. Dem Vater war's aber doch ſchlecht ergangen, denn in dem letzten Gefecht am Berg Iſel, wo ſich die Unſern mit den Baiern und Franzoſen ſo ſakriſch herumrauften, da hat er einen Schuß in den rechten Arm bekommen, daß der ihm für alle Zeiten


