468 Der Kaiſerjaͤger im Paſſeyerthal.
Näschen ganz kraus zog, fortlegen, ließ ſich aber bald bereden, ruhig ſitzen zu bleiben und das Verlangen des Kindes nach Nahrung erſt zu befriedigen.
Einen recht behaglichen Eindruck, der ganz zu dieſer ſchönen Familien⸗ ſcene paßte, gewährte auch die Stube ſelbſt. Sie war zwar ganz einfach ausgeſtattet und die Wände mit bereits gedunkeltem Fichtenholz überkleidet, wie dies in den nordtiroliſchen Bauernſtuben gewöhnlich iſt, alles ſah aber ungemein reinlich und ordentlich gehalten aus. Ein Weihwaſſerkeſſel war an der Thüre, und ein kunſtfertig geſchnitztes Kruzifir von ſchwarzem Holz, von einigen Heiligenbildern umgeben, hing an der einen Wand, grade da, wo die Mutter mit dem Säugling Platz genommen hatte, und verkün⸗ dete, daß der fromm religiöſe Sinn, den man in Tirol beim Landvolk überall findet, auch in dieſem Hauſe nicht fehlte. Auf der andern Wand war der ehemalige Kaiſer⸗Jäger aber ſeiner Neigung für die Ausſchmückung der⸗ ſelben gefolgt. Das gar nicht ſchlecht gezeichnete und gemalte Bild des jungen Kaiſers Franz Joſeph, hoch auf ſich bäumendem Roſſe, hing dort in hübſchem Rahmen, und unter demſelben das des alten Helden Radetzky; in den Rahmen deſſelben war ein kleiner Strauß getrockneter Lorbeerzweige geſteckt. Auch einige Kampfſcenen aus dem letzten italieniſchen Kriege von 1848 waren daſelbſt aufgehängt, ebenſo auch das Bild eines Kaiſer⸗Jägers in voller Parade⸗Uniform, wahrſcheinlich von einem kunſtgeübten Soldaten des Regiments gar nicht ſo übel in Waſſerfarben gemalt. Ueber dieſen Bil⸗ dern hing ein Stutzen, dem man es anſah, daß er lange nicht mehr gebraucht war, daneben ein Haubajonnett in der Art, wie es die k. k. Jäger tragen, mit dem Unterjäger⸗Portepee.
Die Begrüßung der Frau, die bald ihr Kind nun vollends geſtillt und dann der Großmutter zur weiteren Wartung übergeben hatte, war einfach natürlich und herzlich, und bald war dieſelbe auch bei der Bereitung des Mahles für uns beſchäftigt, da der Mann einen tüchtigen Hunger verkün⸗ ante und auch bei mir gleiches Gefühl vorausſetzte. Eine Brodſuppe, an der das Schmalz nicht geſpart war, dampfte in irdener Schüſſel bald auf dem weißen Ahorntiſch, der mit einem reinlichen Tiſchtuch bedeckt war, und von der friſchen Bergluft und der mehrſtündigen Wanderung nicht wenig hungrig, wußten wir nun unſere ſauber geſchnitzten Holzlöffel ſo raſch zu handhaben, daß wir bald auf den Grund der Schüſſel kamen. Als ſchwere Reſerve kamen jetzt mächtige Knödel von Maismehl, die ſchon einen Magen füllen konnten, und wahrſcheinlich mir zur Ehre hatte die Bauersfrau auch


