466 Der Kaiſerjäger im Paſſeyerthal.
Der Mann hatte in ſeiner treuherzig gutmüthigen Weiſe recht, und ſeine Einladung gefiel mir ſo gut, daß ich dieſelbe ohne Weiteres annahm. Von anhaltendem Sprechen konnte übrigens bald nicht mehr viel zwiſchen uns die Rede ſein, da der Pfad, der ſich jetzt an einem Berg hinaufwand, wirklich ſo ſchmal wurde, daß nur Einer hinter dem Andern darauf gehen konnte. Auch ſtieg er oft ziemlich ſteil an und war dabei vom Regen ſo ausgewaſchen, daß man ſchon auf ſeine Füße acht geben mußte, wenn man nicht den ziemlich ſteilen und noch mehr ſteinigen Abhang hinunterpurzeln wollte, was grade kein beſonderes Vergnügen geweſen wäre.„Im Winter, wenn der Schnee hier oft haushoch liegt, iſt's ein ſakriſches Gehen auf dieſem Steig und man muß manchmal einen weiten Umweg machen, um in das Thal zu kommen,“ ſagte mir mein Führer noch beim Steigen, wie wir grade bei einer beſonders ſchmalen und ſteilen Stelle des Weges angekommen waren, und gern glaubte ich dieſer Verſicherung.
Wohl an zwei Stunden mochten wir nun ſchon auf dieſem Fußſteig vom Hauptweg abgekommen ſein, als wir endlich bei dem Gehöfte meines Begleiters anlangten. Wie ein Schwalbenneſt lag das Haus an die ſteile Bergwand geklebt und das Sprichwort:„Im Paſſeyerthal müſſen die Häuſer bisweilen mit Nägeln an den Bergen feſtgenagelt werden, weil ſie ſonſt keinen Anhalt hätten,“ konnte auch hier ſeine Anwendung finden. Sonſt ſah das ganze Gebäude, das nach Nordtiroler Bauart aus Holz erbaut war, ſehr reinlich und gut erhalten aus, und man konnte die ſorgſame Hand ſeiner Bewohner ſchon an dem ganzen Aeußern deſſelben erkennen. Zwei große Föhren, die mit ihren ſtarken Wurzeln feſt in den Berg eingewachſen waren, umſchatteten das Dach und trugen mit dazu bei, dem Ganzen ein recht idylliſches Ausſehen zu geben. Prachtvoll war übri⸗ gens die Ausſicht, die man von einem kleinen Platze vor der Thüre dieſes Berghofes auf das ganze Paſſeyerthal mit ſeinen hohen Bergkuppen hatte. Grade vor einem lag der Jaufen, über den der Saumpfad nach Sterzing führt, während links die hohen Eisgletſcher des Oetzthales mit ihren blanken, weißen Kuppen und Schneefeldern in dem blauen Herbſthimmel gar herrlich funkelten und blitzten. Auch die Fläche des Thales ſelbſt, in dem ſich der vielgeſchlungene Paſſeyer Bach gleich einem Silberfaden auf grünem Sammt⸗ grunde hin und her ſchlängelte, zeigte ſich von dieſem höheren Standpunkt aus recht überſchaulich, und mit meinem guten Handfernglas konnte ich ein bedeutendes Stück des Weges, den ich geſtern von Saltaus her zurückgelegt


