Jahrgang 
1 (1856)
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Von Julius von Wickede.

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heute gegen Mittag wieder zu Hauſe zu ſein. Trotz dieſer ſehr ſtarken Fußwanderung merkte man meinem Begleiter aber auch nicht die min⸗ deſte Anſtrengung an, und er ſchritt ſo raſch auf dem rauhen und ſteini⸗ gen Gangſteig fort, als habe er ſo eben erſt ſeinen Weg angetreten. Da es mir ziemlich gleich ſein konnte, wohin ich meine Schritte richtete, das offene, kräftige Weſen des Paſſeyers mich aber ſogleich ungemein anzog, ſo beſchloß ich, ihn bis auf Weiteres zu begleiten, und theilte ihm, da er mit großer Beſcheidenheit mich nach dem Ziel meiner Wanderung fragte, dies auch mit.

Sell is ſchoan reacht, antwortete er,geht's ſich fein leichter, wenn man jemand hat, mit dem man eine Unterhaltung machen kann, das hab ich in meiner Dienſtzeit, wo wir ſo oft die Kreus und die Quer in dem ganzen Welſchland herummarſchiren mußten, recht vielfach erfahren. Na⸗ türlich, daß ich ihn nun fragte, bei welcher Gelegenheit er ſich die ſilberne Medaille erworben habe, und ihm dabei bemerkte, er müſſe doch ſtolz auf dieſelbe ſein und für ſein ganzes ferneres Leben eine Freude darüber haben. Er meinte, eine große Freude habe er über dieſe Medaille allerdings und wenn man ihm ſechs der beſten Ochſen im ganzen Paſſeyerthal dafür gebe, miſſe er ſie nicht. Ich bemerkte nun auch, daß ihm der linke Arm vom Ellbogen an fehlte und der leere Aermel über den Stumpf herabhing. Da er ſtets an meiner linken Seite gegangen war, hatte ich früher nicht darauf geachtet. In einem blutigen Gefecht unweit Vianca, wo Oeſterreichs Doppeladler ſich kühn wieder den Sieg erkämpfte, hatte er, der ſechs Jahre bei dem Tiroler Kaiſer⸗Jäger⸗Regiment diente und zuletzt ſchon Unterjäger geweſen war, den Arm verloren.

Auf mein weiteres Bitten, mir die näheren Umſtände dieſes Kampfes und zugleich auch die ſonſtigen Verhältniſſe ſeiner militäriſchen Dienſtzeit zu erzählen, ging er ganz ungezwungen ein.Wiſſen's, ſagte er,da Sie ja doch ſo zum Vergnügen in unſerem Thale herumkraxeln und es Ihnen eins ſein kann, wohin Sie kommen, ſo gehn's mit auf meinen Hof. Eine Aus⸗ ſicht finden Sie da, wie leicht nicht ſchöner im ganzen Paſſeyerthal, und einen Schmaren macht Ihnen meine Vevi, an dem ſie das Schmalz gewiß nicht ſpart. Dann erzähl ich Ihnen auch die ganze Geſchichte don dem Kriege 1848 in Welſchland Rnter unſerm Marſchall Radetzkh, denn jetzt wird der Gangſteig bald ſo jach anſteigen, daß Einer nach dem Andern gehen muß, und da läßt es ſich denn nicht gut erzählen.. Hausblätter. 1856. I. Bd. 30