—
Von Fr. Gerſtäcker. 19
bauen ſogar weit mehr als ſie zu ihrem eigenen Bedarf brauchen. Manches Schiff hat dort ſchon für den europäiſchen Markt ſeine Ladung von Reis, Zucker, Kaffee und anderen Produkten eingenommen, während hunderte von Prauen(die inländiſchen Fahrzeuge) der benachbarten Inſeln, ja ſelbſt bis von China herüber, in ſtetem und lebendigem Verkehr mit dem kleinen Reiche ſtehen. Die Balineſen haben dabei ihre eigenen Rajahs oder Fürſten, und die dem Lande dienlichen Geſetze werden mit unnachſichtlicher Strenge von ihren weltlichen und geiſtlichen Oberhäuptern in Kraft gehalten. Auf allen ſchweren Vergehen, ſelbſt auf Diebſtahl, ſteht Todesſtrafe.— Außer⸗ dem ſind ſie aber auch noch in vielen Künſten geſchickt und erfahren. Vor⸗ züglich ihre Stahl⸗ und Goldarbeiten, ihre Korbflechtereien und Webereien ſind berühmt in der ganzen Inſelgruppe des oſtindiſchen Archipels. Ihre Landestracht iſt dabei anſtändig und geſchmackvoll, und dem Klima voll⸗ kommen angemeſſen.
Soviel als kurze Einleitung für den Leſer, der die kleine Inſel bis jetzt vielleicht kaum dem Namen nach oder doch nur nach Beſchreibungen kannte, welche ihre Bewohner beinah wie eine Räuber⸗ und Piratenbande er⸗ ſcheinen ließ. Jede Sache hat freilich ihre zwei Seiten.
1.
Es war im September des Jahres 184—, als in dem ſüdlichſten Rayat von Bali, in Badong, ein junger Bergbewohner rüſtig aus der fruchtbaren Hochebene nieder, der Süd⸗Weſt⸗Küſte der Inſel und der Bai von Balikota zuſtieg. Wohl führte eine breite, gut unterhaltene und fahr⸗ bare Straße von Badong zu dem kleinen Städtchen Kota an dieſer Bai hinab. Der junge Balineſe hätte aber, um auf ſie zu gelangen, zuweit weſtlich aus dem Wege gehen müſſen, und da er überdies auch nicht gewohnt war einer breiten bequemen Straße zu folgen, ſo ſuchte er ſich lieber in ge⸗ rader Richtung die nähere, wenn auch nicht eben ſo glatte Bahn.
Dieſe führte ihn durch weite, mit Mais und Zuckerrohr bepflanzte Flächen, und an den ſchmalen Dämmen bewäſſerter Reisfelder hin, zu den Rändern ſteiler, dichtbewaldeter Ravinen, die das Land durchſchnitten und mit ihrer wilden üppigen Vegetation in die urbargemachten und in voll⸗ kommenſter Cultur gehaltenen Felder gar wunderlich hinein griffen.
Der Thau lag noch in voller funkelnder Pracht auf den Blättern und
2*


